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Jesidische Aktivistin Nadia Murad besucht Heimatdorf


Irak

Jesidische Aktivistin Nadia Murad besucht Heimatdorf

Die jesidische Aktivistin Nadia Murad, die vor drei Jahren von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefangengenommen worden war, hat zum ersten Mal wieder ihr Heimatdorf Kocho im Norden des Iraks besucht.

Kocho, das in der Nähe von Sindschar liegt, wurde vergangene Woche vom IS befreit.

Die Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden werden vom sunnitischen IS als Teufelsanbeter angesehen.

Im August 2014 war Murad gemeinsam mit rund 7000 Frauen und Mädchen von der Terrormiliz verschleppt worden, als diese die Kontrolle über die Region übernahm.

Drei Monate lang war sie in der Hand der Islamisten, wurde wiederholt gefoltert und vergewaltigt. Dann gelang ihr die Flucht nach Deutschland, wo sie seither lebt.

Seither hat sich die inzwischen 24-jährige Nadia Murad für die Belange der Jesiden eingesetzt.

Für ihren Einsatz wurde sie unter anderem für den Friedensnobelpreis nominiert.

Seit September 2016 ist sie zudem die erste Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel der Vereinten Nationen.

Außerdem erhielt die vom Europarat den Václav-Havel-Menschenrechtspreis. Das Europaparlament verlieh ihr und Lamija Adschi Baschar 2016 den Sacharow-Preis.

Rede Murads bei der OSZE

Noch 3.500 Frauen und Mädchen in IS-Gewalt

Jetzt besuchte Murad unter hohen Sicherheitsvorkehrungen auch die Schule, in der ihre Höllenfahrt vor drei Jahren begann.

IS-Kämpfer versammelten alle Einwohner Kochos in der Schule. Die Männer wurden ermordet, Jungen in Trainingslager geschickt, Frauen und Kinder in die Sklaverei gezwungen, berichtete sie.

Bis zu 3.500 jesidische Frauen und Mädchen sollen nach wie vor in der Gewalt der Terroristen sein. Die internationale Gemeinschaft habe dabei versagt, die Frauen und Mädchen zu befreien, so Murad.

Der Thompson Reuters Foundation berichtete sie. “Wir hofften, wir hätten das gleiche Schicksal wie Männer und würden umgebracht. Statt dessen kamen Europäer, Saudis und Tunesier und andere Kämpfer, die uns vergewaltigten und verkauften.”

In Kocho gibt es sieben Massengräber. Murad fordert, die Toten zu exhumieren.

Viele von Murads Angehörigen wurden ermordet

Auch Murads Schwester Khayriyah (30) war jetzt bei dem Besuch in Kocho dabei. Auch sie war vom IS verschleppt worden, nach fünf Monaten konnte sie fliehen.

Sechs der neun Brüder Murads wurden vom IS ermordet, ebenso Nadia Murads Mutter. Sie galt den Terroristen als zu alt, um Sex-Sklavin zu sein, so Murad. Insgesamt töteten oder verschleppten IS-Kämpfer 18 Mitglieder aus Murads Familie.

Laut den Vereinten Nationen wurden 2014 rund 5000 Jesiden vom IS massakriert. Murad, aber auch Teile der UN verlangen, das Massaker als Genozid einzustufen.

Auch die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney setzt sich für die Belange der Jesiden ein.

euronews-Interview mit Murad und Lamija Adschi Baschar
Nadia Murads Webseite
Nadia Murad bei Twitter
Wikipedia zu Nadia Murad

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