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Jeremy Corbyn: Vom Hinterbänkler zum Hoffnungsträger

Er ist Vegetarier, fährt Rad und trinkt keinen Alkohol. Für seine Prinzipientreue wird Jeremy Corbyn von den einen gefeiert, den anderen belächelt.

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Jeremy Corbyn: Vom Hinterbänkler zum Hoffnungsträger

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“For the many, not the few”, steht über Jeremy Corbyns Wahlprogramm, das der Labour-Chef im Mai vorgestellt hat. Der Spitzenkandidat der sozialistischen Partei will eine gerechtere Gesellschaft für alle. Im Wahlkampf setzte Corbyn vor allem auf soziale Themen wie die Wohnungsnot oder den schlechten Zustand des britischen Gesundheitssystems. Der 68-Jährige möchte den Mindestlohn anheben, Reiche höher besteuern.

Der Parteirebell

Jeremy Corbyn ist schon seit 34 Jahren im Politikgeschäft. Lange Zeit war er ein Hinterbänkler für die Sozialisten im britischen Unterhaus. Schon damals galt Corbyn als Rebell in der Partei, der immer wieder gegen die Anträge der eigenen Fraktion stimmte. 2003 machte er sich als entschiedener Gegner des Irakkriegs einen Namen.

Kein Fleisch, keine Zigaretten, kein Alkohol

Corbyn gilt als geradlinig und prinzipientreu. Er ist Vegetarier, nimmt oft das Fahrrad, raucht nicht und trinkt keinen Alkohol. Dafür wird er von seinen Anhängern wie ein Popstar gefeiert. Bei der Gesamtbevölkerung kommt er weniger gut an, auch wenn sich seine Umfragewerte kurz vor der Wahl verbessert haben. Vor allem bei den jungen Briten ist Corbyn beliebt.

Ins Rampenlicht trat Jeremy Corbyn bei der Wahl 2015, als Labour unter der Führung von Ed Miliband gegen die Konservativen verlor. Außenseiter Corbyn wurde überraschend zum Parteichef gewählt. Seither hat er Labour auf einen linken Kurs gebracht.

Der EU-Skeptiker

Aus den eigenen Reihen kritisiert wird er immer wieder wegen seiner Haltung zum EU-Austritt Großbritanniens. Er hatte seine mehrheitlich europafreundliche Fraktion dazu aufgefordert, für Theresa Mays Gesetzentwurf eines harten Brexit zu stimmen. Außerdem werfen viele Parteimitglieder Corbyn vor, sich vor dem Referendum nicht deutlich genug für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ausgesprochen und eingesetzt zu haben. In den letzten Wochen mied Corbyn deshalb das Thema des Brexit und legte den Fokus seines Wahlkampfs lieber auf andere Themen wie die innere Sicherheit und soziale Gerechtigkeit. Laut Corbyn ist seine Labour-Partei „demokratisch, vielfältig, vereint und fest entschlossen, für eine faire und bessere Gesellschaft zu kämpfen. Eine Gesellschaft, die allen offensteht.”