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Britische Wahl: "#Grime4Corbyn" - Musik trifft auf Politik

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Britische Wahl: "#Grime4Corbyn" - Musik trifft auf Politik

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Grime heißt Schmutz und kommt aus den Schmuddelecken des Londoner Eastends.
Und plötzlich ist diese Mischung aus Hip Hop und elektronischer Musik eine hochpolitische Angelegenheit.

Wie kommt’s?

"#Grime4Corbyn" mischt sich in den Wahlkampf ein – eine Internet-Kampagne, die Jugendliche zum Wählen animieren will. Da fordern Grime Stars auf, einen Mann zu wählen, der dreimal so alt ist wie ihre Zielgruppe: James Corbyn, Labour-Spitzenkandidat in der Parlamentswahl.

Vor der Bühne tanzende Menschentrauben (“Moshpits”), zuckende Tänzer, die “brap” (“Peng”) rufen – das ist alles neu im britischen Wahlkampf. Künstler, Rapper und YouTuber werben für Labour, organisieren Treffen in Coffeeshops, um junge Leute zu ermutigen, rauszugehen, über Politik zu sprechen und wählen zu gehen.

Grime scene’s backingof Corbynreachingnew levelshere:#grime4corbyn https://t.co/dGxkVffdN5 pic.twitter.com/RgD6mrY6Rg

— SörchaWharf (@sorchawharf) 16 mai 2017

Die Kampagne wurde gestartet, nachdem mehrere Grime-Stars ihre Anhänger aufgefordert hatten, für Labour zu stimmen. Im Gegenzug gab es Freikarten für eine geheime Party. Das war so erfolgreich, dass zum offiziellen Start des Labour-Wahlkampfs zeitweise mehr Menschen den Hashtag “#grime4corbyn” nutzten als das offizielle “#LabourManifesto”.

Ella:

“Die sagen alle sowas wie: ‘Ich bin noch nie wählen gegangen, aber dieses Jahr mache ich das’, und ich meine, das ist wie eine große Bewegung, eine Art Eintrittschwelle: ‘Wenn du dich bisher nie für formale Politik interessiert hast, dann kann das das Jahr sein, das dich verändert – wie uns’.”

Laut Umfragen könnte Labour erheblich punkten, wenn 80% der registrierten jungen Wähler zur Wahlurne gehen. Mode oder ein nachhaltiges Phänomen?

Grime scene’s backingof Corbynreachingnew levelshere:#grime4corbyn https://t.co/dGxkVffdN5 pic.twitter.com/RgD6mrY6Rg

— SörchaWharf (@sorchawharf) 16 mai 2017

Der Fußball-begeisterte Youtuber David Vujanic hat im vergangenen Monat seine schönen Spielwiesen gegen die hässliche Welt der Politik eingetauscht, mit einem speziellen Corbyn Interview:

“In den sozialen Netzwerken ist diese Welle … das ist eine Welle jetzt, alles ist in Bewegung. Wir haben als Kräuseln an der Oberfläche angefangen und langsam geht es über in einen Tsunami. Und in fünf Jahren, wenn die Tories drankommen, wird dieser Tsunami nicht mehr zu stoppen sein. Ich meine, im Moment sind wir eine Welle, aus der ein Tsunami wird. Und wenn es so weitergeht, ist der in fünf Jahren nicht mehr zu stoppen.”

Guessitshappened, no FIFA but weChill’d withCorbyn….comingsoonon Copa90</a> ⚡️⚡️⚡️ <a href="https://t.co/GTtxbIhlYV">pic.twitter.com/GTtxbIhlYV</a></p>— VUJ (DavidVujanic) 27 mai 2017

Die Pläne der Bewegung zielten weit über die aktuelle Abstimmung hinaus, erklärt der Mann hinter “GRIME 4 CORBYN”.

Femi Oyeniran, Organisator “GRIME 4 CORBYN”:

“Es geht nicht nur darum, wie Jeremy Corbyn in dieser Wahl abschneidet. Es geht um das Engagement der Jugend, es geht um junge Leute, die sich um Politik kümmern, es geht um junge Leute, die sich für eine Sache einsetzen, wenn ihnen etwas nicht passt. Das ist viel mehr als Corbyn.”

Bleibt die Frage: Werden Corbyns Online-Fans in den Wahllokalen aufscheinen?

Patrick Atack, London, Sigrid Ulrich