Eilmeldung

Puerto Rico will US-Bundesstaat werden

Sie lesen gerade:

Puerto Rico will US-Bundesstaat werden

Schriftgrösse Aa Aa

Zum fünften Mal hat Puerto Rico in einem Referendum über seine Zukunft abgestimmt. Die Mehrheit der Wähler ist für die Umwandlung in den 51. Bundesstaat der USA. Das Referendum ist allerdings nicht bindend – der US-Kongress in Washington entscheidet. Bisher ist die frühere spanische Kolonie ein assoziierter Freistaat, die Bewohner sind US-Bürger, aber ohne Stimmrecht. Puerto Rico war 1898 durch eine US-Invasion unter die Oberhoheit der Vereinigten Staaten geraten. Die US-Regierung hatte den Puertoricanern vor genau 100 Jahren die US-Staatsbürgerschaft zuerkannt. Sie haben in Washington nur einen Abgeordneten mit beschränkten Rechten bei Abstimmungen.


Jose Alvarez, Befürworter des Referendums:

“Die Staatszugehörigkeit kann einige Probleme lösen. Aber wir müssen auch als Nation Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen und – wie wir hier in Puerto Rico sagen, wir müssen da mit unseren eigenen Händen mitmischen.”

Amalia Diaz, Oberschülerin:

“Ich meine, das schafft eine bessere Zukunft für Puerto Rico. Ich denke da auch an die Familien und an die Studenten – viele gehen nach der Hochschulreife weg, weil sie hier keine Chancen sehen.”


Carlos Méndez Núñez, Vorsitzender des puerto-ricanischen Abgeordnetenhauses: «Es ist eine Ironie der Geschichte, dass eine
Nation, die auf der ganzen Welt die Freiheit verteidigt und dafür sogar in den Krieg zieht, über drei Millionen US-Bürger in Kolonialherrschaft hält.»

Puerto Rico hat rund 3,5 Millionen Einwohner und ist praktisch pleite. In einer Art Konkursverfahren werden zur Zeit rund 64 Milliarden Euro Verbindlichkeiten restrukturiert. Eine Kontrollkommission hat schmerzhafte Einschnitte verordnet.

Bei dem Referendum am Sonntag zeigten allerdings vier Fünftel der Abstimmungsberechtigten kein Interesse – oder folgten dem Boykottaufruf der Opposition. Von den Teilnehmern sprachen sich 1,5 Prozent für die Unabhängigkeit von den USA aus, 1,3 Prozent stimmten für die Beibehaltung des derzeitigen Status’. Gouverneur Pedro Rosselló Nevares will den “Kolonialstatus” des karibischen Inselgebiets östlich der Dominikanischen Republik überwinden.

su mit dpa