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Atemwegserkrankungen: Liegt die Lösung auf dem Mount Everest?


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Atemwegserkrankungen: Liegt die Lösung auf dem Mount Everest?

Wie können sich Menschen auf extreme Höhen und Sauerstoffmangel einstellen? Welche Rolle spielen die Gene dabei? Forscher aus Barcelona wollen es herausfinden. Sie sind Teil des Pionier-Projekts “Sherpa Everest”. Ihre Expedition führte sie auf den höchsten Berg der Welt im Himalaya. Die Wissenschaftler schlossen sich der Everest-Expedition von Ferran Latorre an. Er hat alle 14 8000er-Gipfel erobert – der Weg war lang und schwierig. “Mein Zelt ist vorübergehend mein Zuhause”, so Lattore im Basislager. “Man lebt nach seinem Rhythmus, aber natürlich verbringt man hier oben viel Zeit allein und vermisst sein Zuhause, die Menschen. Manchmal fühlt man sich auch ein bisschen traurig und allein.”

Latorre war eine der Testpersonen für das Projekt. Die drei Wissenschaftler aus Barcelona haben im Everest-Basislager auf 5400 Metern Höhe ein Feldkrankenhaus aufgebaut. Sie untersuchten 15 Bergsteigern aus aller Welt und 22 Sherpas und nahmen Blutproben. Strom gibt es dort oben nicht – die Blutproben wurden im Eis des Khumbu-Gletschers kühl gehalten. Die Forscher flogen anschließend per Helikopter nach Kathmandu. Zurück in Barcelona wurden die Proben untersucht.

Ana Buil, euronews: “8000 Kilometer Luftlinie und mehr als 10.000 Kilometer Landweg vom Everest entfernt, auf Höhe des Meeresspiegels und um einige Grad wärmer, sind wir in Barcelona, am Krankenhaus de Sant Pau. Hier wurde das Sherpa-Everest-Projekt ins Leben gerufen, hier wird es durchgeführt. Schauen wir uns an, was passiert und wer die Beteiligten sind.”

Es gibt zwei Mechanismen, die bei der Anpassung von extremen Temperaturen wirken. Die Evolution, die über Tausende von Jahren geschieht und kurzfristigere molekulare Veränderungen, die in der Epigenetik untersucht werden. José Manuel Soria, ist der Chef der Genomik am Forschungsinstitut von Sant Pau. Er erklärt: “Wenn wir Extremsituationen ausgesetzt sind, zum Beispiel in großen Höhen und bei Sauerstoffmangel, verändert sich unsere DNA-Sequenz nicht. Was sich verändert, ist die Art und Weise, wie wir unsere Gene regulieren, wie sie sich verhalten. Genau das wollen wir untersuchen.”

Die Proben, die im Himalaya genommen wurden, werden in Barcelona mit denen von 50 Patienten mit Atemwegserkrankungen verglichen. Diese leiden an Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und chronischem Sauerstoffmangel. Pneumologe Oriol Sibila: “Das Projekt soll untersuchen, wie wir uns auf verschiedene Situationen mit Sauerstoffknappheit einstellen: auf Höhe des Meeresspiegels, im Everest-Basislager und nach einem Versuch, auf den 8000 Meter hohen Gipfel zu steigen. Das vergleichen wir mit den Ergebnissen unserer Patienten, die gefühlt immer im Everest-Basislager sind, weil sie immer zu wenig Sauerstoff haben.”

Die Erkenntnisse der Forscher sollen nicht nur Menschen mit Atemwegserkrankungen helfen, sondern auch Bergsteigern wie Ferran Latorre. Der Spanier sucht nach dem 14. 8000er immer noch nach Herausforderungen. Latorre: “Nach dem ich mit allen 14 8000ern durch bin, habe ich noch einige Dinge in Planung. Zum einen will ich eine neue Route über einen 8000er eröffnen. Das hab ich schon während der Besteigung der 14 versucht, aber nicht geschafft. Oder den Everest ohne Sauerstoff über die nördliche Route besteigen. Dann, den Cerro Torre besteigen und den Eiger. Das ist alles, was ein Alpinist noch tun muss, bevor er seine Stiefel an den Nagel hängen kann.”

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