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Finanzkrise: Erste britische Topbanker vor Gericht


Wirtschaft

Finanzkrise: Erste britische Topbanker vor Gericht

Fast ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise müssen sich die ersten Topbanker vor einem britischen Gericht verantworten. Die britische Großbank Barclays und vier frühere Manager sind wegen Betrugsverdachts im Zusammenhang mit der milliardenschweren Kapitalerhöhung aus Katar im Jahr 2008 angeklagt worden – so die britische Strafverfolgungsbehörde Serious Fraud Office (SFO). Sie riskieren
bis zu zehn Jahre Haft.

Neben der Bank würden unter anderem auch der frühere Barclays-Chef John Varley, die ehemaligen Manager Roger Jenkins, Richard Boath und Thomas Kalaris des gemeinsamen Betrugs beschuldigt.
Die Ermittlungen dauerten fünf Jahre.


Zum Einen geht es um 368 Millionen Euro an nicht gerechtfertigten und ursprünglich nicht offengelegten Gebühren, die Barclays an Investoren aus Katar für ein Darlehen als Teil einer knapp 14 Milliarden Euro (aktueller Kurs) schweren Kapitalerhöhung im Jahr 2008 zahlte. Die damals schwer angeschlagene britische Bank brauchte frisches Kapital, um einem staatlichen Notverkauf zu entgehen, und machte – zum Anderen – eine Kreditlinie in Höhe von 2,7 Milliarden Euro für Katar verfügbar – laut Kritikern eigentlich ein Kredit an sich selbst.

Die gerichtliche Anhörung ist für den 3. Juli in London angesetzt.

Vor vier Jahren hatte die Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) in diesem Zusammenhang bereits eine Buße von 57 Millionen Euro gegen Barclays verhängt. Die Bank hatte diesen Vorwurf angefochten, das Verfahren wurde auf Eis gelegt. Im Lichte neuer Erkenntnisse hat die FCA die Untersuchung aber wieder aufgenommen. Auch amerikanische Behörden ermitteln in dem Fall.

su mit Reuters, dpa