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Indische Regierung rät Schwangeren zu Abstinenz von Fleisch, Eiern und Sex


Indien

Indische Regierung rät Schwangeren zu Abstinenz von Fleisch, Eiern und Sex

Die indische Regierung steht nach der Veröffentlichung eines Ratgebers “Zum Wohl von Mutter und Kind”. Darin wird schwangeren Frauen geraten, jegliches Fleisch, Eier sowie “lustvolle Gedanken” zu vermeiden.

Ärzte kritisierten die Ratschläge als absurd und sogar gefährlich, vor allem in Hinsicht auf die bereits schlechte Gesundheitslage vieler Schwangerer. In der patriarchischen indischen Gesellschaft, geht das bessere Essen oft an die Männer. Auch bei der medizinischen Versorgung werden sie meist prioritär behandelt.

Unterernährung, Blutarmut und Eisenmangel sind Gründe für die hohe Rate bei Indiens Muttersterblichkeit. 174 von 100 000 Frauen kamen so im letzten Jahr ums Leben. Nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF hat sich die Zahl seit dem Vorjahr zwar verbessert, liegt aber noch deutlich über der Rate in China (27 Todesfälle auf 100 000 Geburten).

“Die Regierung gibt nicht-wissenschaftlich fundierte und irrationale Ratschläge, anstatt dafür zu sorgen, dass arme Frauen sich ausgewogen, also eiweißhaltig, ernähren können”,ärgert sich der indische Gynäkologe Arun Gadre. In dem Faltblatt heißt es weiter, Frauen sollten “unreine Gedanken” abwenden und Bilder von gesunden Föten anschauen, weil diese dem Kind zugute kämen.

Im Gegenteil, so Gadre, es gäbe keine Einwände gegen Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft. Er nannte die Ratschläge “eine nationale Schande”.

Der Gesundheitsminiter verteidigte die Hinweise. Sie seien die Frucht von “über Jahrhunderte gesammelter Weißheit”. Die hindusitisch-nationalistische Regierung Indiens unter Narendra Modi setzt sich für eine vegetarische Ernährung ein. Unter anderem sollen so weniger in Indien heilig geltende Kühe geschlachtet werden.

Der Ratgeber war vom Rat für Yoga und Naturheilkunde herausgegeben worden.