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Pariser Luftfahrtschau: Das Neueste aus der Raumfahrt


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Pariser Luftfahrtschau: Das Neueste aus der Raumfahrt

Die Pariser Luftftahrtschau ist einer der wichtigsten Treffpunkte für die Luft- und Raumfahrt. Wir trafen die Chefs der ESA und NASA und unterhielten uns mit dem ESA-Astronauten Thomas Pesquet, der gerade nach sechs Monaten im All zurück ist.

Es war Pesquets erster großer öffentlicher Auftritt nach seiner Rückkehr. Und auf ihn und Präsident Macron stürzte sich die Meute.



Der Astronaut ist immer noch in der Erholungsphase, nachdem er im All Muskel- und Knochenmasse verloren hat. Wie er sich fühlt?

“Großartig! Anfangs ist es hart, auf die Erde zurückzukehren. Aber nach einigen Stunden passt man sich sehr schnell wieder an. Es ist erstaunlich, wie der menschliche Körper sich an das Leben im All und dann wieder an das Leben auf der Erde anpassen kann.”

euronews:
“Vermissen Sie das Schweben? Sieht schon toll aus auf den Fotos!”

Pesquet:
“Ja, das vermisse ich. Im All ist es, wie wenn man übermenschliche Kräfte hat. Man kann herumfliegen und -schweben, schwere Lasten mit einem oder zwei Fingern heben. Wieder zurück auf der Erde ist man all diese überirdische Kraft los!”

euronews:
“Sie waren auf wissenschaftlicher Mission im All unterwegs. Gab es ein Experiment, das Sie besonders toll fanden?”

Pesquet:
“Es gab mehrere, die mir gefallen haben, und eines davon war vielleicht eins der schmerzvollsten. Man musste so doll, wie man konnte, einen Motor anschieben, der das Drehmoment und die Kraft meiner Muskeln maß.”

euronews:
“Sie sind gerade nach sechs Monaten aus dem All zurück. Die Reise zum Mars würde mindestens ein Jahr dauern. Wären Sie dafür jetzt bereit?”

Pesquet:
“Ich glaube, das ließe sich schon machen. Der schwierige Teil ist echt die Rückkehr. Als ich wieder auf der Erde war, mit der Schwerkraft, konnte ich einige Stunden nichts machen. Wenn man zum Mars fliegt, will man auf alle Notfälle reagieren können, man muss also auf dem Flug ein bisschen trainieren. Psychologisch muss man auch darauf vorbereitet sein, dass man die Erde nicht mehr sieht. Auf der Raumstation fliegen wir immer noch um die Erde herum, man ist also noch nicht so weit von zu Hause weg. Beim Mars ist das etwas völlig anderes, man muss also auch geistig vorbereitet sein.”



Der Mars war auf der Pariser Schau in den Köpfen der Besucher vielleicht nicht so präsent. In der Raumfahrt hingegen ist er das allgegenwärtige Ziel. ESA und NASA wollen 2020 Rover dorthin schicken. NASA-Chef Robert Lightfoot war ebenfalls in Europa, um hier über die Pläne für den Roten Planeten zu diskutieren.

euronews:
“Irgendwann soll der Mensch zum Mars fliegen. Die Rover waren erfolgreich, warum begnügt man sich nicht damit? Es wäre doch sicherer, nur Rover zu schicken.”

Lightfoot:
“Wir meinen, wir brauchen beide. Die Rover sind unsere Kundschafter und sagen uns, was wir wissen müssen, bevor wir Menschen schicken. Aber vom Standpunkt der Erkundung aus wollen wir doch Menschen auf dem Mars haben. Der Wunsch, den Menschen in die Weiten des Alls vordringen zu lassen, ist quasi in unsere DNA geschrieben.”

euronews:
“Wann wird der Mensch auf dem Mars sein?”

Lightfoot:
“Wir versuchen, Menschen in den 2030ern in die Nähe des Mars zu bringen. Da bleibt bei der Technologie und den Systemen, die wir benötigen, noch viel zu tun. Das werden wir mit unseren Partnern machen – eins der Dinge, über die wir hier mit ihnen reden wollen. Wo können sie ihre Fähigkeiten einbringen? Wir werden einige Zeit am Mond verbringen und dort – noch in der Nähe von zu Hause – Systeme prüfen, die wir für die Marsreise brauchen, um sicherzustellen, dass sie gut funktionieren.”

euronews:
“Der Mondflug – das wird die Orion-Kapsel sein? Wann fliegt da das erste Raumfahrzeug mit Männern und Frauen an Bord zum Mond?”

Lightfoot:
“Unsere erste bemannte Mission könnte 2022 starten. 2019 haben wir eine unbemannte Mission, wir sind sehr gespannt darauf. Auch da gab es eine großartige Zusammenarbeit mit unseren Partnern hier. Und es wird sicher noch mehr Zusammenarbeit geben, wenn wir erst einmal fliegen.”



Die Kooperation zwischen den Raumfahrtbehörden ist heute unabdingbar, um große Missionen umsetzen zu können. Zwangsläufig kommt die Politik ins Spiel. Mit ESA-Generaldirektor Jan Wörner wollten wir erst eimal über eine der zentralen politischen Fragen reden, die Europa derzeit umtreibt: Den Brexit.

Wörner:
“Der Brexit ist eine Angelegenheit zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Wir als ESA, eine zwischenstaatliche Organisation, sind da ein bisschen außen vor. Europa beschränkt sich nicht auf die Grenzen der Europäischen Union. Und ich denke, die EU braucht Großbritannien und Großbritannien braucht die EU, ich erwarte da eine gute Lösung.”

euronews:
“Wie sieht es aber aus mit den Firmen, die in Großbritannien sitzen – müssen sie neue Filialen in der EU aufmachen?”

Wörner:
“Das kann ich heute nicht beantworten, aber ich kann sagen, dass es in Kreisen der ESA kein derartiges Ersuchen gibt. Zur ESA gehören auch die Schweiz und Norwegen als Nicht-EU-Mitglieder – wir wissen sehr gut, wie wir damit umgehen müssen.”

euronews:
“Sie werben für das Konzept von Space 4.0, und haben auch mit Besuchern hier bei der Pariser Luftfahrtschau geredet. Was sagt Otto Normalbürger zu Ihnen über die Raumfahrt, was wollen die Leute?”

Wörner:
“Das ist wirklich interessant. Wenn wir Bürger fragen, was sie über das All denken, sind wirklich alle angefeuert, ganz klar. Und sie sehen tatsächlich deutlich einen Nutzen der Raumfahrtaktivitäten für ihr tägliches Leben.”

euronews:
“Um welche Art von Missionen bitten die Leute Sie?”

Wörner:
“Sie bitten uns häufig um riskante Missionen. Flüge zu anderen Planeten, wie ExoMars, oder zu einem Kometen – das sind die Missionen, die den Leuten sehr gefallen. Sie sagen auch, dank der Inspiration, die Ihr uns gebt, haben wir Träume für die Zukunft. Und damit bekommt die Raumfahrt plötzlich mehr als den finanziellen Aspekt, sie bekommt einen gesellschaftlichen Aspekt, einen gesellschaftlichen Nutzen.”




Die Raumfahrtindustrie nutzte die Schau wie stets für wichtige Ankündigungen. Die frisch umbenannte ArianeGroup führte die Fortschritte bei der neuen Ariane 6 vor und gab bekannt, dass sie an einem wiederverwendbaren Raketentriebwerk für 2030 unter dem Namen Prometheus arbeitet.



Avio besiegelte einen Vertrag über drei Starts neuer Versionen seiner Vega-Trägerrakete. Und Thales Alenia Space warb für seinen Stratobus, der auf einer Höhe zwischen Satellit und Drohne fliegen und komplementär zum Satelliten sein soll.


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