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Die Stadt der Äpfel: Almaty


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Die Stadt der Äpfel: Almaty

Die Stadt der Gärten: Almaty, die größte Metropole und einstige Hauptstadt Kasachstans. Die Geschichte der Stadt mit ihren heute fast zwei Millionen Einwohnern geht auf die Zeit der Seidenstraße zurück. Eng umschlungen von Bergen, lebendig, grün, und auch das finanzielle Herz des Landes, zieht die Stadt Besucher aus aller Welt an.

So auch Dennis Keen. Der Kalifornier verliebte sich in die Stadt, als er sie als Austauschstudent kennenlernte. Also blieb er, richtete sich als Stadtführer ein und entwarf seine eigenen Rundgänge: die Walking Almaty. Die Stadt hat er sich buchstäblich erwandert.

Er führt uns zunächst einmal zur Christi-Himmelfahrt-Kathedrale): “Dies ist wirklich das Kronjuwel von Almaty. Sie ist aus Tian-Shan-Fichtenholz gebaut, dem Holz hier aus der Gegend, und so solide gebaut, dass selbst heute, 111 Jahre später, das Holz noch in gutem Zustand ist. Ich kenne den Architekten, der an der Sanierung mitgearbeitet hat. Als sie die oberen Schichten abkratzten, sah alles darunter nagelneu aus.”



Sein Rundgang führt uns weiter zum Abai Opern- und Ballethaus. Das in den frühen vierziger Jahren gebaute Haus nimmt Motive der kasachischen Tradition in sein Dekor auf. Dennis erläutert einen Fries: “In der Mitte spielt ein Mann das Nationalinstrument Dombra. Daneben pflücken Leute Äpfel, denn Almaty heißt Stadt der Äpfel. Hier haben alle Apfelbäume der Welt ihre Wurzeln, bei den wilden Apfelbäumen in den Hügeln außerhalb der Stadt.”

Außer Ballet und Oper sind im Innern auch historische Reminiszenzen zu sehen. Zum Beispiel an den Goldenen Mann, einen in goldener Uniform bestattenen Skythen-Krieger, dessen Grab nahe Almaty gefunden wurde. Heute ein Nationalsymbol. Askar Buribajev, Direktor des Opernhauses: “Die Halle ist mit Elementen der Uniform des Goldenen Kriegers verziert. Sie können hier auch den goldenen Schneeleoparden sehen, das Wappentier von Almaty, denn es lebt in unserem Transili-Alatau-Gebirge.”

Eher als den Schneeleoparden trifft man in den Bergen um Almaty aller Arten von Freizeitsportlern. Auf der Medeo- (Medeu) -Eislaufbahn im gleichnamigen Tal in gut 1.700 Metern Höhe stellten einst die Sowjets ihre Rekorde auf – abgeschirmt von ausländischer Konkurrenz. Heute treibt man hier einfach mal kurz nach der Arbeit Spor – die Stadt liegt nur etwa zwanzig Minuten entfernt.




Ein Gebirge in 15 Kilometern Entfernung einer Hightech-Stadt – die optimale Kulisse für Regisseure wie Kanagat Mustafin. Er drehte hier gerade für seinen jüngsten Film: “Ich bin in Almaty geboren und aufgewachsen, natürlich ist es meine Lieblingsstadt. Ich würde sie niemals gegen eine andere Stadt auf der Welt eintauschen. Deshalb spielen alle meine Filme in Almaty und meine Helden ziehen in diese Stadt.”



Wie unser Protagonist Dennis. Kein simpler Stadtführer, eher ein Entdecker, der sich bei seinen Märschen durch die Stadt immer wieder neue Fragen stellte. Warum es so viele kleine Kanäle gibt, warum die Bäume weiß angemalt sind. Als er bemerkte, dass viele Straßen nach kasachischen Musikern benannt sind, erstellte er einen virtuellen Musikerstraßenplan: “Wenn Sie durch die Straße laufen, klicken Sie auf google-maps diese Straße an. Wir sind jetzt in der Kulash- Baiseiytova-Straße. Das war eine der berühmtesten kasachischen Opernsängerinnen. Sie können dann eine Kurzbiografie lesen, die ich über sie geschrieben habe. Man nannte sie die kasachische Nachtigall, sie war berühmt für ihre Stimme.”

Weiter geht es zum Grünen Basar. Das Gebäude aus den siebziger Jahren ist ein Paradebeispiel für sowjetischen Konstruktivismus. Hier holt sich der junge Architekt David Kaminski “Gedankenfutter”: “Diese neun Kuppeln in Form von Pyramiden, bringen zuerst einmal Tageslicht hier herein, es ist hier extrem hell. Und die Fenster, die können in ganz bestimmter Weise gedreht werden, so dass sie die warme Luft des Marktes nach außen ablassen.”



Am Abend weiht uns Dennis in einem Restaurant im traditionellen Jurtenzelt in die Geheimnisse des kasachischen Nationalgerichts Beschbarmak ein: Hammel- oder Pferdefleisch und spezielle Nudeln in einer Zwiebelsauce – ein altes Nomadengericht. Beschbarmak bedeutet fünf Finger, es heißt so, weil man es normalerweise mit den Fingern isst.

Die echte Überraschung kommt dann zum Ausklang unseres Stadtrundgangs: Ein ganz persönliches Dombra-Konzert, Dennis greift in die Saiten…


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