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Argentiniens verlorene Enkel


Argentinien

Argentiniens verlorene Enkel

Eine späte Suche nach gemeinsamen Wurzeln. Vor anderthalb Jahren erst hat Diego seine 91-jährige Großmutter kennengelernt. Und er erfuhr, dass er eigentlich Martín Ogando Montesano heißt.
Ogando gehört zu den rund 500 Babys, die während der Militärdiktatur Ende der 70er Jahre entführt, verschenkt oder verkauft wurden. Die Mütter: politische Gefangene in Geheimgefängnissen, die meistens spurlos verschwanden.

Den Stein ins Rollen brachte ein Gentest, den Ogando im November 2015 machte. “Man sagte mir, mein Bluttest habe einen Treffer ergeben. Ich konnte es nicht fassen. Ich erfuhr, dass ich von der Montesano Ogando-Familie abstamme. Meine Großmutter habe seit Jahren nach mir gesucht,” erinnert er sich. Und seine Großmutter Delia Giovanola ergänzt, ““komm vorbei, wir haben Martín gefunden.” Ich war sprachlos. So habe ich die Neuigkeit erfahren. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nun müssen wir nach den anderen suchen, die noch als vermisst gelten.”

Giovanola gehört zur Protestbewegung “Madres de la Plaza de Mayo”. Mütter und Großmütter auf der Suche nach ihren verlorenen Kindern und Enkeln. Schweigend protestierten sie jede Woche im Zentrum von Buenos Aires.


Sie spielen eine Schlüsselrolle: Anhand ihrer DNA können die Enkel identifiziert werden – dank der nationalen Gendatenbank.


Mehr als 100 Menschen lassen sich jeden Monat testen. Die technische Direktorin der Nationalen Gendatenbank von Argentinien Mariana Herrera sagt, “die Gendatenbank stellt einen großen Erfolg für den Staat dar, der sie per Gesetz schuf, um Verbrechen gegen die Menschlichkeit wieder gut zu machen. Verbrechen, die durch ihn begangen wurden.”

Die Gendatenbank ist weit über die argentinischen Grenzen hinweg wirksam: Sie hilft auch Kolumbien, Peru und El Salvador, ihre Vermissten aufzuspüren. Selbst die Familien der von Boko Haram entführten Schuldmädchen in Nigeria unterstützt sie.

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