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"Otello" mit Jonas Kaufmann: Tödliches Eifersuchtsdrama am Royal Opera House in London


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"Otello" mit Jonas Kaufmann: Tödliches Eifersuchtsdrama am Royal Opera House in London

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Es ist eine sehr anspruchsvolle und riskante Rolle für einen Tenor und eine wahre Herausforderung für einen Dirigenten: Der Otello von Verdi triumphiert am Royal Opera House in London. Musica hat mit Tenor Jonas Kaufmann und Dirigent Antonio Pappano gesprochen.

Der “Otello” ist Verdis vorletztes Meisterwerk. Eine Tragödie, basierend auf dem gleichnamigen Shakespeare-Werk, von Verdi komponiert an dessen Lebensabend. 130 Jahre später triumphiert der “Otello” am Royal Opera House in London.

Antonio Pappano dirigiert das Orchester. Er ist fasziniert von der Fallhöhe, die die Hauptfigur bietet: “Otello ist ein großer Krieger, ein wahnsinnig erfolgreicher Mann. Das Stück erzählt seine Geschichte, die so erfolgsversprechend beginnt und durch etwas, das am Anfang lächerlich unbedeutend erscheint, tragisch endet: ein winziger Zweifel an seiner Frau. Jago sagt Otello, er habe sie mit Cassio gesehen, hmmm, das ist seltsam… Aber der Zweifel ist gesät und wir sehen, wie sich die Katastrophe von dort an ihren Weg bahnt…”

Tödliche Eifersucht

Von der Eifersucht zerfressen, stürzt Otello in einen Wahnsinn, der tödlich endet. Er ermordet seine Frau Desdemona. Von Reue geplagt, tötet er sich schließlich selbst.

Es ist das erste Mal, dass Jonas Kaufmann diese Hauptrolle verkörpert, die für Tenöre einige Fallstricke bietet. Kaufmann: “Diese Rolle hat viele schwierige Aspekte. Am forderndsten ist wohl der zweite Akt, einfach, weil sich dort die Wut entwickelt. Man muss sich wirklich zurückhalten und das richtige Maß dazu finden, wie groß und problematisch die Eifersucht schon ist und wie sehr sie noch unter Kontrolle ist.”

Für Pappano hat Verdis Spätwerk von Anfang an eine besondere Wucht: “Diese Oper ist in vielerlei Hinsicht besonders. Ein großer Teil des Stücks hat einen gigantischen Charakter, vor allem dieser Sturm zu Beginn, der einfach unglaublich ist. Er beginnt im oberen Register und steigt in die Tiefen eines Kerkers herab. Dieses Dunkel steht im Gegensatz zu Momenten von fast burlesk wirkender Leichtigkeit.”

Doch es gibt auch stille Momente, so Kaufmann: “Verdi gibt einem die Möglichkeit, auch einen anderen Otello zu zeigen. Es gibt diese zärtlichen Momente, in denen man sieht, wie fragil er in der Gegenwart von Desdemona ist.”

Große künstlerische Herausforderung

Für Pappano ist der “Otello” eine große künstlerische Herausforderung: “Dieses Stück ist ein Everest. Man braucht wahnsinnig viel Energie, um diese Musik zu dirigieren, man kann sich nie zurücklehnen oder nur in ihr schwelgen. Dafür ist es nicht gemacht. Es ist ein Drama, das ganz klar auf etwas hinausläuft.”

Verdi hat sich damit selbst ein Denkmal gesetzt, sagt der Dirigent: “Otello ist eine unglaubliche Errungenschaft für Verdi. Er wirft seinen Hut in den Ring und sagt: ‘Seht her, was ein alter Mann noch schaffen kann.’ “

Am 28. Juni wurde die Aufführung des “Otello” aus dem Royal Opera House in Kinos in aller Welt übertragen.

Mit der Inszenierung der Verdi-Oper am Royal Opera House ist auch eine Debatte über den Mangel an nicht-weißen Tenoren entstanden. “Othello”, so der Shakespeare-Titel hat eigentlich eine dunkle Hautfarbe. Placido Domingo, der Verdis “Otello” vor Kaufmann sang, hat bei Auftritten dunkles Make-Up getragen. Regisseur Keith Warner habe bei seiner Inszenierung für das Royal Opera House bewusst darauf verzichtet. “Ich würde einen schwarzen Sänger auch nicht bitten, eine weiße Maske aufzuziehen”, sagte er in einem Interview auf der Website des Opernhauses.

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