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Straßburg: Feierliche Zeremonie für Kohl

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Straßburg: Feierliche Zeremonie für Kohl

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Staats- und Regierungschefs und Parlamentarier haben im EU-Parlament in Straßburg Abschied von Helmut Kohl genommen. Die Trauerredner würdigten den deutschen Altkanzler als Gestalter der europäischen und deutschen Einigung.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker richtete persönliche Worte an den Verstorbenen. Er erinnerte an den 13. Dezember 1997, als der Europäische Rat die Erweiterung der EU beschloss: “Während des Mittagessens bat Helmut Kohl um das Wort, ausnahmnsweise bat er um das Wort, denn normalerweise hat es sich das Wort genommen. Er bat sich das Wort und sagte mit tränenerstickter Stimme, dass dieser Tag des Auftaktes der Beitrittsverhandlungen zu den schönsten Momenten seines Lebens gehörte. Dass er als deutscher Bundeskanzler diesen historischen Augenblick des Zusammenwachsen Europas erleben durfte, erfüllte ihn im Innersten mit großer Bewegung.”

Auch der frühere US-Präsident Bill Clinton würdigte Kohl als Friedensstifter. Wegen Kohls Antworten auf die großen politischen Fragen seiner Zeit, seien die Vertreterinnen und Vertreter so vieler Länder bei dem Trauerakt versammelt. “Schlaf gut, mein Freund”, so Clinton. “Das größte Geschenk, dass du uns hinterlässt, ist die Lektion über das, was das wichtigste ist im Leben: das, was wir unseren Kindern hinterlassen. Freiheit, Frieden, Sicherheit, unseren eigenen Wohlstand aufbauen, unsere eigenen Träume verfolgen und daran zu glauben, dass sie groß sein können. Du hast etwas Gutes aus deinem Leben gemacht und diejenigen, die es mit dir geteilt haben, haben dich dafür geliebt. Danke!”

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, ohne Helmut Kohl wäre das Leben von Millionen Menschen und auch ihr eigenes völlig anders verlaufen. Sie bedankte sich für die Chancen, die er ihr gegeben habe. Merkel: “Vieles was für uns selbstverständlich ist, geht auf ihn zurück. Dass Ost- und Westeuropa vereint sind, dass wir einen gemeinsamen Markt haben, dass es keine Grenzkontrollen zwischen EU-Staaten gibt, dass die meisten von diesen Staaten über eine gemeinsame Währung verfügen, dass es die Europäische Union in ihrer heutigen Form überhaupt gibt, all das ist und bleibt ganz wesentlich mit dem Namen Helmut Kohl verbunden.”

Es war das erste Mal, dass es einen europäischen Staatsakt für einen verstorbenen Politiker gab. Kohls Sarg wurde anschließend zurück nach Ludwigshafen überführt. Nach einem Trauerzug durch die Innenstadt und einer Rheinüberfahrt fand die Beisetzung in Speyer statt.