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Brachliegendes Potenzial: Angolas Landwirtschaft

Angola könnte wieder die Kornkammer Afrikas werden - wenn die unzähligen Hektar fruchtbarer Boden genutzt würden...

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Brachliegendes Potenzial: Angolas Landwirtschaft

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Bis in die siebziger Jahre blühte Angolas Landwirtschaft – das südwestafrikanische Land galt als Kornkammer, die sich nicht nur in den meisten Bereichen selbst versorgen, sondern auch noch exportieren konnte. Doch gut ein Vierteljahrhundert Bürgerkrieg zog insbesondere den Agrarsektor in Mitleidenschaft. Heute macht er nur noch etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Seit Ende des Krieges vor fünfzehn Jahren kommt er langsam wieder in Gang. Eine absolute Notwendigkeit, muss Angola doch etwa vier Fünftel seines Bedarfs importieren.

Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, gehört Angola zu den Ländern mit dem größten Potenzial in der Landwirtschaft weltweit. Angola verfügt über 58 Millionen Hektar nutzbares Ackerland, das ist eine Fläche größer als Frankreich. Es werden aber noch nicht einmal zehn Prozent dieser Fläche auch genutzt. Dies liegt unter anderem an der geringen Bewässerungsquote des Landes, an vom Krieg zerstörter Infrastruktur und Landminen.


Gutes Klima, gute Böden, unproduktive Methoden


Neben vielen Kleinbauern und Subsistenzwirtschaft gibt es heute einige Großbetriebe. Einer der größten des Landes liegt in über tausend Metern Höhe in der Provinz Kwanza Süd. 10.000 Hektar, von denen aber nur ein Drittel derzeit bewirtschaftet wird. Große Unternehmen wie dieses, Grupolider, stellen etwa 15 Prozent des Agrarsektors, bewirtschaften aber gut die Hälfte der landesweit nutzbaren Böden.

Geschäftsführer João Macedo: “Angola hat exzellente Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Es gibt diverse Mikroklimata, viel Land, viel Wasser. Es sind die besten Bedingungen der Welt für die Landwirtschaft. Unser großes Problem heute sind die Arbeitskräfte.”



Um die Landwirtschaft wiederzubeleben, sind moderne Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden und qualifiziertes Personal nötig. 800 Angestellte arbeiten in dem Betrieb – der sie fast alle selbst ausbildete. Ein weiterer Löwenanteil wurde in das Bewässerungssystem investiert. Vier künstliche Seen wurden angelegt und Verteilungsanlagen der jüngsten Generation installiert. Neben der gigantischen Anlage in Bumba Longa betreibt das Unternehmen noch zwei weitere in Angola, 150 Millionen Dollar wurden in den vergangenen sechseinhalb Jahren investiert, weitere 150 Millionen Dollar sollen folgen.


Kaffee – einst der Exportschlager


An einem kommt man in der angolanischen Landwirtschaft nicht vorbei: am Kaffee. Einst war er der Exportschlager. Eine seltene Ware und kompliziert im Anbau: Die Pflanzen können vier Jahre brauchen, bis sie ihre ersten Früchte tragen.



Jorge Ribeiro hat die goldenen Zeiten des Kaffees in Angola miterlebt. Seit fünfzig Jahren ist er im Geschäft, heute Produktionsleiter bei Delta Cafés einem der größten Konzerne der Branche. Und eine der Schlüsselfiguren bei der Wiederbelebung des Produkts, der örtliche Unternehmer und Landwirte berät: “Der Kaffee von Angola gehört zu denen mit der besten Qualität. Aber wir liegen bei der Produktion sehr, sehr weit unten. Wir waren 1973 einer der vier größten Kaffee-Produzenten der Welt, und heute sind wir ganz weit hinten. Aber der Trend geht heute dahin, wieder auf die Kaffee-Produktion zu setzen.”

Auch die Regierung will die Kaffeeproduktion wieder ankurbeln. Bedingung für den Erfolg auf dem internationalen Markt ist die Wettbewerbsfähigkeit. Womit wiederum Modernisierung und Investitionen nötig sind. Mit rund 12.000 Tonnen Jahresproduktion liegt man bei etwa einem Zwanzigstel des Niveaus der siebziger Jahre. Pedro Ribeiro, Generaldirektor von Angonabeiro, das zur selben Unternehmensgruppe gehört wie Delta Cafés: “Das Potenzial ist da. Das ist keine Utopie. Wir waren in der Lage, 200.000 Tonnen pro Jahr zu produzieren. Böden und Klima sind für die Produktion günstig. Wir wollen dieses Wachstumspotenzial entwickeln und die Landwirtschaft und die Verarbeitungsindustrie ankurbeln. Und auch den Export entwickeln.”



Die Umsatzprognosen für dieses Jahr deuten in die richtige Richtung. Ein Potenzial, das noch mehr Angolanern zugute kommen sollte: An der Mehrheit der Landbevölkerung geht der naturgegebene Reichtum bislang vorbei.

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