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Nukleare Abschreckung: Rüstet Europa jetzt auf?

Ist Europa mit Trump im Weißen Haus noch ausreichend geschützt? Manches EU-Land denkt offenbar an atomare Aufrüstung.

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Nukleare Abschreckung: Rüstet Europa jetzt auf?

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Immer mehr Länder in der Europäischen Union hegen Zweifel an der Schutzmacht USA. Bevor Donald Trump das Oval Office bezog, wurde das Nato-Bündnis mit wechselseitigen Beistandsverpflichtungen und dem nuklearen Schirm der Vereinigten Staaten als glaubwürdige Abschreckung verstanden.

Doch eine Aussage des neuen US-Präsidenten hat an diesem Vertrauen stark gerüttelt: “Die Länder, die wir verteidigen, müssen dafür bezahlen. Tun sie das nicht, müssen die USA bereit sein, diese Länder sich selbst verteidigen zu lassen”. Trump will in Zukunft eher weniger als mehr Nato. Die Mitglieder sollen höhere Beiträge leisten, so die Forderungen des Präsidenten.

In der EU sind Großbritannien und Frankreich die einzigen Atommächte. Dies könnte sich Experten zufolge jedoch bald ändern.

“Trumps Äußerungen und seine generelle Einstellung bisher, scheinen in Europa und Asien Befürchtungen nach einem geringeren Schutz dem nuklearen Schirm der USA zu bestärken”, so Hans Kristensen, Mitarbeiter des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) gegenüber euronews.

“Wenn sich diese Besorgnis länger hinzieht oder gar verstärkt, könnten einige Länder überdenken, ob sie Kernwaffen für ihre eigene Sicherheit brauchen.”

Neuen Statistiken über Nuklearwaffen zufolge verfügen Russland und die USA über jeweils rund 7000 Sprengköpfe.

Die beiden Länder, die damit über 93 Prozent des weltweiten Arsenals verfügen, hatten sich 2010 dazu verpflichtet, bis zum kommenden Jahr die Zahl der einsatzbereit gehaltenen Gefechtsköpfe auf je 1550 zu reduzieren.

Während in Frankreich und Großbritannien der Bestand gleichgeblieben oder reduziert wurde, haben drei asiatische Staaten – Indien, Pakistan und Nordkorea – ihr Arsenal vergrößert.

SIPRI zuolge ist die Zahl der Sprengköpfe in den vergangenen Jahren tatsächlich gesunken, doch alle neun Atommächte haben ihren Bestand modernisiert.

Die USA wollen in den nächsten zehn Jahren 400 Milliarden Dollar (349 Milliarden Euro) in die Erneuerung ihrer Kernwaffen investieren.

“Die geplanten Mehrausgaben der USA kommen nicht überraschend”, meint Kristensen. “Die derzeitige Regierung führt die nuklearen Modernisierungspläne des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama fort.”

Trump zuofolge müssten die USA ihre Kernkraftkapazitäten ausweiten und verstärken, “bis die Welt bezüglich Atomwaffen zu Sinnen gekommen ist”.

“Auch wenn Trump keinen direkten Einfluss auf das Atomwaffenarsenal anderer Länder hat, beeinflusst seine Politik die Sicht anderer Länder auf Atomwaffen”, so Kristensen.

“Eine deutliche Zunahme oder Verbesserung des US-Atomwaffenarsenals könnte andere Länder in ihren Modernisierungsplänen bestärken. Das heißt nicht, dass sie das nicht auch ohne die Modernisierungen der Vereinigten Staaten tun würden, doch sie könnten andere Länder dazu treiben, mit den US-Fähigkeiten mithalten zu wollen.”