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23 Jahre danach: Streit um mysteriösen Mord an Journalistin Ilaria Alpi

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23 Jahre danach: Streit um mysteriösen Mord an Journalistin Ilaria Alpi

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Keine verwertbaren Hinweise auf Mord?

23 Jahre nach dem Mord an der Journalistin Ilaria Alpi (damals 33) und ihrem Kameramann Miran Hrovatin (damals 45) in Somalia hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Aber die Familie der Reporterin will damit nicht zufriedengeben, sie hat jetzt gegen die Entscheidung, den Fall definitv zu den Aken zu legen, Berufung eingelegt. Euronews hat mit dem Anwalt der Familie Domenico D’Amati gesprochen. Er erklärt, dass die Staatsanwaltschaft Rom seit langem sage, es gebe keine Elemente, die vor Gericht verwendet werden könnten. “Es war von Anfang an beabsichtigt, dass es zu keinem Prozess kommen soll”, sagt D’Amati im Gespräch mit Sabrina Pisu (von italienischen euronews-Team). “Es ist nicht wahr, dass es keine Motive und keine Hinweise gibt.” Aber er vermutet, dass die Ermittlungen gestoppt werden sollten.

Laut Rechtsanwalt D’Amati will der italienische Staat davon ablenken, dass Behörden in den Fall verwickelt sein könnten.

Handel mit Giftmüll und Waffen?

Es geht um falsche Beschuldigungen und vielleicht auch um bezahlte Informanten. Es geht um illegalen Handel mit Giftmüll und Waffen in der ehemaligen italienischen Kolonie Somalia.

Für das öffentlich-rechtliche Fernsehen RAI 3 drehten die Fernsehjournalistin Ilaria Alpi und ihr Kameramann Miran Hrovatin in Mogadischu 1994 eine Reportage über Waffenlieferungen und Gelder, die offiziell von italienischen Hilfsorganisationen zum Straßenbau und für Infrastrukturen in Entwicklungsländern genutzt werden sollten. Tatsächlich gab es aber Hiweise darauf, dass diese “Hilfsorganisationen” offenbar geheime Agenturen der italienischen Regierung waren, die gegen Waffenlieferungen Tonnen von Giftmüll verschifften.

Ilaria Alpi sprach Arabisch, sie hatte diese Sprache studiert, und sie hielt sich schon zum siebten Mal in Somalia auf.

1994 war in Italien die Operation “Mani pulite” (“Saubere Hände”) angelaufen, die eigentlich Korruption und illegale Parteienfinanzierung aufdecken sollte. Aber offenbar wurde nicht alles aufgedeckt. Dass der Grund für den Tod ihres einzigen Kindes im Dunkeln bleiben wird, darunter leidet die Mutter von Ilaria Alpi auch 23 Jahre danach.