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Regierungstruppen übernehmen Mossul - Iraker feiern

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Regierungstruppen übernehmen Mossul - Iraker feiern

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Nach der offiziellen Siegeserklärung über die Terrormiliz “Islamischer Staat” in Mossul sind im Irak spontane Siegesfeiern ausgebrochen. Ministerpräsident Haider al-Abadi hatte am Montag abend im Fernsehen erklärt, Regierungstruppen hätten die Stadt vollständig eingenommen – drei Jahre, nachdem die Militanten die Stadt erobert hatten.

Sana Ibrahim, Basra:

“Ich fühle das Gleiche wie alle anderen ehrenvollen und ehrlichen Iraker. In Gottes Namen werden wir auch all die korrupten Politiker los, die auf deren Seite standen und übernehmen Mossul.”

Mossul diente der Miliz “Islamischer Staat” als faktische Hauptstadt im Irak.

Seit der Kampf um die Rückeroberung vor neun Monaten begonnen hat, wurden etwa 862.000 Menschen aus Mossul vertrieben oder sind geflohen. Etwa 200.000 konnten zurückkehren.


Auch in Bagdad wurde gefeiert:

Mahmoud Ahmed, Bagdad:

“Wie Sie sehen können, hat der Sieg dem irakischen Volk Glück und Freude gebracht. Wir beten zum allmächtigen Gott, dass Frieden und Sicherheit im Irak einkehren. Das irakische Volk hat viel durchgemacht und wir hoffen, dass die Leute aus Mossul nach Hause zurückkehren.”

Vor Krieg, Flucht und Vertreibung hatte das multiethnische und multireligiöse Mossul fast drei Millionen Einwohner ( 2.882.442/1. Januar 2010). Die humanitäre Krise sei noch nicht vorbei, sagte die UN-Koordinatorin für humanitäre Fragen im Irak, Lise Grande. Von 54 Stadtteilen in Mossul seien 15 stark und 23 mäßig zerstört. Ein Drittel des historischen Westteils von Mossul mit der Altstadt liegt in Trümmern, mindestens 50 000 Wohnungen sind nur noch Schutt und Asche. Die beiden Wahrzeichen, die Al-Nuri Moschee und das schiefe Minarett, jagte der “IS” noch kurz vor seiner Kapitulation in die Luft. Wiederaufbau tut Not – irakische Städte wie Ramadi und Falludscha, aus denen der IS vor über einem Jahr vertrieben wurde, sind bis heute praktisch unbewohnbar.


Die Terrormiliz ist nun im Irak militärisch weitgehend geschlagen. Experten rechnen damit, dass sich die besiegten IS-Anhänger in die großen Wüstengebiete im Westen des Iraks zurückziehen und dort Guerilla-Angriffe planen. Im Irak halten die Gotteskrieger noch die strategisch wichtige Grenzstadt Richtung Syrien, Tal Afar, wo sich 1.000 und 1.500 Extremisten verschanzt haben. Im Zentralirak kontrollieren sie den Distrikt Hawija nahe der Erdölstadt Kirkuk und im Westirak die Gegend um die Euphrat-Stadt Kaim.

Auch im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien steht die Terrormiliz unter Druck. Dort ist eine von Kurden angeführte Allianz bis in die nordsyrische IS-Hochburg Al-Rakka vorgerückt. Die Terrormiliz kommandierte in ihren mächtigsten Zeiten mehr als 35.000 Bewaffnete aus mehr als 100 Nationen, die größten Kontingente arabischer Gotteskrieger stammen aus Tunesien, Marokko und Saudi-Arabien. Nach einer Studie der amerikanischen Militärakademie West Point verübte die Terrormiliz in 16 syrischen und irakischen Städten, aus denen sie vertrieben worden war, 1.500 Attentate. 1.800 Selbstmordattentate haben “IS”-Anhänger nach eigenen Angaben bisher weltweit verübt, die meisten im Nahen Osten.

Sicherheitsdienste rund um den Globus fürchten, dass sich überlebende Dschihadisten nach dem Ende ihres „Kalifates“ in alle Winde zerstreuen könnten – nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Asien, Amerika und Europa. Der deutsche Verfassungsschutz geht von 930 Dschihadisten aus, die in die IS-Gebiete gereist sind. Gut 300 sind nach Deutschland zurückgekehrt.

su mit dpa