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Türkische Wissenschaftler: neue Zukunft in Deutschland


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Türkische Wissenschaftler: neue Zukunft in Deutschland

Die Freie Universität Berlin hat zwei türkische Wissenschaftlerinnen eingeladen, die in ihrer Heimat Probleme bekommen haben. Zwei Jahre sollen sie zunächst in Deutschland arbeiten. Möglich macht das die Organisation Scholars at Risk, der weltweit 450 Mitglieder angehören, unter anderem die FU Berlin. Scholars at Risk setzt sich weltweit für verfolgte Wissenschaftler ein. Stefan Rummel ist zuständig für den Wissenschaftleraustausch an der FU.

Euronews: Wie stellen Sie sicher, dass jemand, der im Ausland verfolgt wird, dort nicht tatsächlich eine Straftat begangen hat?

Stefan Rummel: Das sind Aufgaben, die Universitäten in der Regel nicht leisten können. Deshalb sind wir Mitglied bei Scholars at Risk. Das sind Organisationen, die in den Ländern der Wissenschaftler Kontakte haben und die feststellen können, ob diese Leute tatsächlich bedroht sind, verfolgt sind oder nicht. Dazu gehört hoffentlich auch, dass sie Straftäter nicht einschließen in ihr Programm.

Was ist Ihren beiden Wissenschaftlern in der Türkei widerfahren?

Sie haben einen Aufruf unterschrieben, mit dem sie sich dem Generalverdacht ausgesetzt haben, gegen das Regime zu arbeiten und haben dadurch ihre Arbeit verloren an der Universität. Und eine der Wissenschaftlerinnen hat keinen gültigen Pass. Wir versuchen, sie trotzdem nach Berlin zu holen.

Wie sehen da Ihre Möglichkeiten aus?

Ich weiß von einem Fall, wo es möglich wäre, von einer deutschen Auslandsvertretung eine Art Ersatzausweis zu bekommen für jemanden, der keinen eigenen mehr hat. Wir haben ja viele Syrer, ein Fall, den ich kenne, der ist in den USA. Aber das ist eigentlich, soweit ich sehen kann, die einzige Möglichkeit, die uns bliebe.

Die beiden Wissenschaftlerinnen sollen vorerst zwei Jahre bleiben. Was passiert danach? Können die beiden dann überhaupt wieder zurück?

Das ist ein grundsätzliches Problem bei Menschen, die aus ihrem eigenen Wissenschaftssystem herausgerissen werden. Das europäische System ist sehr kompetitiv und anders als in Osteuropa oder dem Nahen Osten. Zunächst hat man natürlich die Erleichterung, dass man aus der Krise raus ist. Aber man muss auch versuchen, sich eine Karriere aufzubauen und zu versuchen, Fuß zu fassen in Europa. In Syrien ist ja nicht absehbar, dass man bald wieder zurückkehren kann. Bei der Türkei ist die Frage sehr schwer zu beantworten, wie sich die Zukunft entwickeln wird.

Ich denke, die Beiden, die zu uns kommen, sind sehr gute Wissenschaftlerinnen. Ich denke, sie können sich durchaus im europäischen Markt behaupten. Dafür sind ja auch diese Aufenthalte da; nicht nur, um zu forschen, sondern auch um Anträge zu schreiben, Stipendien zu beantragen und sich zu bewerben.