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Cecilia Bartoli glänzt als "Ariodante" in Salzburg


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Cecilia Bartoli glänzt als "Ariodante" in Salzburg

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Cecilia Bartoli hat “Ariodante” auf den Spielplan der Salzburger Pfingstfestspiele gesetzt und schlüpft selbst in die Titelrolle der Händel-Oper, ihre erste Hosenrolle in Salzburg.

Verwirrend und grenzüberschreitend, erst Mann, dann Frau. Cecilia Bartoli überrascht – wieder einmal – in Georg Friedrich Händels Ariodante. Die noch nie in Salzburg aufgeführte Oper war bei der diesjährigen Pfingstausgabe der Festspiele zu sehen, auch für die Mezzosopranistin und Festspiel-Intendantin war es ein erstes Mal.

“Es ist ein Rollendebüt, eine Hosenrolle. Als ich noch sehr jung war, habe ich Travestie-Rollen gesungen, den Pagen Cherubino natürlich von Mozart. Und danach eine andere Hosenrolle von Rossini.
Diese Maskulinität zu zeigen war zwar eine große Herausforderung, aber die ganze Mühe wert, denn Ariodante ist ein wunderbares Werk.”

Am Anfang von Händels Oper Ariodante steht, was bei den meisten Barockopern eigentlich erst am Ende kommt: ein Happy End. Alles scheint gut zu gehen – Ariodante will Ginevra, die Tochter des schottischen Königs heiraten, der Vater stimmt zu und akzeptiert die Wahl seines Kindes. Hier, am Ende des ersten Aktes, könnte das Werk bereits enden. Doch dann entwickelt sich ein Drama um Neid und Misstrauen, Machtstreben und Betrug.

Händel in Höchstform

“Das ist Händel in Höchstform!”, sagt Cecilia Bartoli und lacht. “Er war auf dem Höhepunkt seiner Inspiration, als er Ariodante schrieb!” Dabei stieß “Ariodante”, 1735 in London erstmals aufgeführt, zunächst eher auf mäßigen Erfolg. Heute gilt sie als eine von Händels facettenreichsten Opern und erkundet, erstaunlich modern, den Konflikt zwischen den sozialen Klassen anhand einer Intrige um Liebe und Macht.

Regie führte in Salzburg der Deutsche Christof Loy. Er hat Händels Oper als stimmiges Verwirrspiel der Geschlechter, Epochen und Leidenschaften, von Dramatik und Slapstick inszeniert.

Am Dirigentenpult steht Gianluca Capuano, Leiter des erst 2016 gegründeten Barock-Ensembles Les Musiciens du Prince. “Es ist eine sehr reife Oper im Werk des Komponisten. Ich betrachte Händel ein bisschen als den Shakespeare der Musik”, sagt Capuano. “Er beherrscht die musikalische Sprache, aber auf eine Weise, die auch die Psychologie der Figuren widerspiegelt. Mit der Musik trifft er den Kern ihrer Seele.

Im Fall von Ariodante beginnt die Oper zunächst mit einem jungen Mann. Wir sehen also Cecilia als jungen Mann verkleidet, der – beziehungsweise die – im Verlauf der Geschehnisse wieder zur Frau wird. Wir haben versucht, uns auch musikalisch an diese Wandlung anzupassen und maskuline Partien noch maskuliner zu spielen und die weiblichen am Ende noch sanfter, noch etwas geschmeidiger.”

Triumph in Salzburg

Cecilia Bartoli erntete für ihr Rollendebüt auf den Salzburger Pfingstfestspielen großen Applaus. Über ihre Rolle sagt sie: “Es ist eine echte Schauspielrolle, die großes Durchhaltevermögen verlangt mit langen Passagen, das ist stimmlich sehr anspruchsvoll. Man lacht und leidet und man weint mit Ariodante. Es ist ein Reise. Selten trifft man auf eine derart umfassende Rolle.”

“Ariodante” mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle steht auch in diesem Sommer auf dem Spielplan der Salzburger Festspiele vom 21. Juli bis 30. August 2017. Die Aufführungen finden vom 16. bis 28. August statt.

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