Eilmeldung

Bei Daimler könnten nach Medien-Informationen («Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR) bei mehr als einer Million Fahrzeugen Motoren eingebaut worden sein, bei denen die Abgasmessungen gefälscht wurden. Das gehe aus einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart hervor. Der Verdacht: Daimler soll von 2008 bis 2016 in Europa und den USA Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft haben. Zwei Motorenklassen hätten eine unzulässige Abschalteinrichtung enthalten, mit der die Schadstoffreinigung nur auf dem Prüfstand ein- und auf der Straße weitgehend ausgeschaltet worden sein soll. “Bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert”, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche noch Anfang 2016 beteuert.

Der deutsche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bestellte als Reaktion auf den Bericht Verantwortliche des Unternehmens ein.

Laut Bundesverkehrsministerium hat die Diesel-Untersuchungskommission Daimler-Vertreter zu einer Sondersitzung eingeladen, um den Vorwürfen nachzugehen. Die Kommission war nach dem VW-Skandal eingesetzt worden und hatte auch auffällige Abgaswerte bei anderen Herstellern – unter anderem bei Daimler – entdeckt.

Nach geltendem Recht dürfen Dieselautos auf der Straße auch mehr Stickoxid ausstoßen als die vorgeschriebenen 80 Milligramm pro Kilometer, wenn sonst der Motor beschädigt würde. Diese Ausnahme nutzten Daimler und andere Autobauer nach Ansicht des Bundesverkehrsministeriums und des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zu kräftig aus. Sie drängten gut ein Dutzend Hersteller deshalb im vergangenen Jahr zu einer freiwilligen Nachbesserung von Dieselautos. Die meisten trugen die Marke Mercedes-Benz: knapp 250.000 Fahrzeuge.



Auch die Börse ist alarmiert.

Stefan Scharffetter von der Baader Bank:

“Nun, wir haben gesehen, dass auch Daimler von der Staatsanwaltschaft unter Beschuss steht, dass angeblich Dieselmotoren manipuliert worden sind. Aus der Erfahrung, was das bei VW angerichtet hat, sind die Aktionäre sehr vorsichtig, kommt Druck auf die Aktie, das ist nicht gut für das Image von Daimler. Alles in allem ist die Aktie unter Druck, und wir müssen abwarten und sehen, welches Gewicht die Anschuldigungen haben und wie Daimler damit umgehen wird.”

An der Börse dämmten Daimler-Titel ihr deutliches Anfangsminus von mehr als zwei Prozent auf 1,04 Prozent ein.

SCHRECKGESPENST VOLKSWAGEN

Volkswagen-Aktionäre hatten den Konzern wegen verfehlter Informationspolitik im Abgasskandal auf insgesamt fast neun Milliarden Euro Schadensersatz verklagt. Die Kurse waren steil nach unten gerauscht, nachdem bekannt geworden war, dass VW Abgaswerte mit einer Software manipuliert hatte.

su mit dpa, Reuters