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"Kriegsszene im Schnelldurchlauf" - Augenzeugen über den Putschversuch

Zwei Augenzeugen berichten, wie sie den Putschversuch vor einem Jahr erlebten.

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"Kriegsszene im Schnelldurchlauf" - Augenzeugen über den Putschversuch

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Es waren Stunden der Angst und Unsicherheit in der Türkei vor einem Jahr. Panzer rollten durch die Stadt, Präsident Erdogan forderte das Volk auf, auf die Straße zu gehen. Zwei Augenzeugen berichten.

Zunächst der Kriegsreporter Samet Dogan:

“Gleich, nachdem ich das Auto unter einer Brücke verlassen hatte, wurden wir von oben beschossen und suchten hinter dem Wagen Schutz. Als ich auf die Brücke stieg, hatte ich das Gefühl, eine Kriegsszene von einem meiner früheren Einsätze in Nahost wiederzuerleben.

Menschen starben und fielen wie an der Front. Junge Leute auf Motorrädern evakuierten die Schwerverletzten, manchen war das Bein abgerissen worden, und versuchten, sie in Krankenhäuser zu bringen. In dieser Nacht wurde mit Panzern geschossen, sie feuerten Kanonen auf Zivilisten.

Die, die wussten, wie sehr die Türkei unter früheren Putschversuchen gelitten hat, versammelten sich in dieser Nacht und niemand wich zurück. Es war wie eine Kriegsszene im Schnelldurchlauf – mit Panzern, Kampfjets und schwerem Geschütz.”


Eine andere dramatische Szene spielte sich vor dem Istanbuler Flughafen ab: Ein Mann stellte sich den Panzern in den Weg, Metin Dogan. Was ging damals durch seinen Kopf?

“Ich sagte mir, wenn die Leute im Fernsehen erleben, wie jemand von einem Panzer überrollt wird, werden sie auf die Straße gehen und sich dem Putsch entgegenstellen. Deswegen fuhr ich so schnell ich konnte zum Flughafen. Dort waren zwei Panzer stationiert, die vor dem Flughafen hin- und herkreuzten. Ich rannte zu einem der Panzer und schrie; ‘Ich bin ein türkischer Soldat, wessen Soldaten seid ihr?’

Als er sich auf mich zu bewegte, legte ich mich unter den Panzer auf den Boden. In diesem Moment sprach ich das Glaubensbekenntnis. Während sich die Panzerkette näherte, war ich mit mir selbst im Reinen. Mein Herz schlug ganz ruhig, in wenigen Sekunden würde ich dem Schöpfer gegenüberstehen.

Kurz bevor er mich überfahren hätte, hielt der der Panzer an. Er hatte so scharf gebremst, dass er schwankte, die Panzerkette berührte meinen Kopf und meine Schulter. Seit dem 15. Juli betrachte ich mich als einen toten Mann. Jeder Tag könnte der letzte sein. Deswegen gebe ich all meine Zeit diesem Land, damit die Türkei noch stärker wird.”