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Letzter Ausweg für Cevheri Güven: Flucht nach Griechenland


Griechenland

Letzter Ausweg für Cevheri Güven: Flucht nach Griechenland

Der 15. Juli 2016 hat ihr Leben auf einen Schlag verändert. Vorher lebten Cevheri und Tuba Güven mit ihren zwei kleinen Kindern in Istanbul. Er war ein anerkannter Journalist, auch seine Frau arbeitete als Journalistin beim staatlichen Fernsehsender TRT. Nach dem Putschversuch flohen sie nach Griechenland.

euronews-Reporter Kostas Tsellos traf das Paar in der nordgriechischen Stadt Thessaloniki, wo die Familie heute lebt und fragte nach den Gründen für ihre Flucht.

Cevheri Güven: “Als wir vom Putschversuch hörten, bekamen wir es mit der Angst zu tun. Denn wir wussten, ganz gleich ob der Putsch gelingen würde oder nicht, es war klar, dass demokratische Kräfte zwangsläufig im Gefängnis landen würden. Aus diesem Grund war ich besorgt um meine Familie und um mich selbst.

Zwei Tage nach dem Putschversuch begannen Twitter-Trolle der AKP Listen mit Namen von Journalisten zu veröffentlichen, die verhaftet werden sollten. Nach der Veröffentlichung dieser Listen im Internet gab es Hausdurchsuchungen der Polizei bei allen Genannten. Auch bei mir war die Polzei dreimal. Danach versteckten wir uns einen Monat lang. Tuba an einem anderen Ort als ich, denn wenn sie einen Journalisten nicht antrafen, nahmen sie dessen Ehefrau fest. Danach beschlossen wir, nach Griechenland zu fliehen.”

Cevheri Güven war den türkischen Behörden bestens bekannt, 2015 wurde er mit seinem Kollegen Murat Capan von der Satirezeitschrift Nokta wegen einer Erdogan-kritischen Titelseite verhaftet und in diesem Frühjahr zu 22 Jahren Haft verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen, das Volk zu einem “bewaffneten Aufstand” gegen die Regierung aufgewiegelt zu haben. Das Magazin zeigte Staatspräsident Erdogan, dessen AKP gerade die Parlamentswahl gewonnen hatte mit der Aufschrift: “Montag, 2. November, Beginn des türkischen Bürgerkrieges”.


Während Murat Capan bei seiner versuchten Flucht in die EU festgenommen wurde, konnte sich Güven nach Griechenland absetzen.

Tuba Güven erzählt von der Flucht: “Wir fuhren gemeinsam nach Edirne an der türkisch-griechischen Grenze und überquerten den Fluss mit einem Schlepperboot in Richtung Griechenland. Dort hielt man uns vier Tage lang auf der Polizeiwache fest, danach verbrachten wir zwei Wochen in einem Flüchtlingslager. Wir zogen weiter nach Thessaloniki, wo meine Tochter in die erste Klasse kam. Auch mein Sohn konnte das angefangene Schuljahr fortführen.

Natürlich, alles aufzugeben, die Arbeit, das ganze Leben, und wieder bei Null anzufangen, ist eine schwierige Entscheidung. Aber wir konnten nicht anders.”


Das Paar ist dabei, ein neues Leben aufzubauen, Cevheri Güven arbeitet er für mehrere Nachrichtenportale. Was bleibt ist die Sorge um den Rest der Familie in der Türkei.

euronews-Reporter Kostas Tsellos sagt: “Viele türkische Familien, die als regierungskritisch gelten, haben die gefährliche Reise nach Griechenland unternommen, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch wenn sie sich um Angehörige, die zurückbleiben mussten, sorgen, wollen sie, dass die Welt von ihrem Schicksal erfährt.”