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Putschversuch: Wie kam Erdoğan ans Telefon?


Türkei

Putschversuch: Wie kam Erdoğan ans Telefon?

Wie kam es dazu, dass Präsident Recep Tayyip Erdoğan während des Putschversuchs live im türkischen Fernsehen sprach? Euronews interviewte die beteiligte Journalistin:

euronews-Reporterin Melis Ademoğlu:
“Hürriyets Ankara-Korrespondentin Hande Firat hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, den Putschversuch zu stoppen, denn sie war mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan per Face-Time für CNN Türk verbunden. Wo waren Sie am 15. Juli, als Sie zum ersten Mal vom Putschversuch hörten? Wie war Ihre erste Reaktion?”

Hande Fırat, Hürriyet:
“Ich rief viele meiner Quellen an, jeden, den ich kannte bei der Verwaltung, der Regierung einschließlich Oppositionspolitiker, Sicherheitsleute, Geheimdienstler. Einer von ihnen war der Generalstabschef des Präsidenten Hasan Doğan. Er war mit dem Präsidenten in Marmaris (ägäische Küstenstadt) zu dieser Zeit. Bis zur Übertragung der Putscherklärung teilte ich on-air die Informationen, die ich von Hasan Doğan erhielt, die besagten, dass der Präsident die Ereignisse nah verfolgte, über uns die Demokratie beschwor und bald eine Erklärung abgeben wollte. Es gab also die gesendete Putscherklärung, aber kein Statement vom Präsidenten. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es lediglich eine Erklärung des Ministerpräsidenten Binali Yildirim, der von ‘Aufstand’ sprach. Niemand sonst äußerte sich, es herrschte totale Unsicherheit. Aus Hubschraubern wurde geschossen, das Polizei-Hauptquartier bombardiert und es gab diese Putscherklärung im Staatsfernsehen (TRT). Ich rief Hasan Doğan nochmals an, da keine Erklärung kam und fragte danach. Er sagte, sie hätten sie geliefert, ob wir nichts bekommen hätten. Ich sagte, keine der nationalen Sender hätten sie ausgestrahlt. Zu diesem Zeitpunkt zirkulierten Gerüchte in den sozialen Medien, nach denen der Präsident geflohen oder entführt worden sei. Totale Unsicherheit. Es gab Bombardierungen, Jets flogen in geringer Höhe und durchbrachen die Schallmauer. Ich lud sie ein, sich ins Programm zuzuschalten und insisistierte. Hasan Doğan meinte, er müsse den Präsidenten fragen. Dann riefen sie zurück und sagten zu. Dann sah ich Hasan Doğan auf Facetime und Präsident Recep Tayyip Erdoğan hinter ihm. Die ganze Crew war im Einsatz. Istanbul – unsere Zentrale – wurde angerufen mit der Maßgabe mich live zu bringen. Ich hielt mein Handy in die Kamera und benutzte mein Kragenmikrofon. So wurde die Sendung ausgestrahlt.

euronews:
“Ich bin sicher, Millionen Menschen haben wie ich befürchtet, dass die Sendung während Erdoğans Aufruf zur Einheit unterbrochen würde. Wie haben Sie sich gefühlt?”

Hande Fırat, Hürriyet:
“Natürlich hatten alle Angst. Es war ein entscheidender Moment. Zuallererst habe ich meinen Job gemacht. Reden des Präsidenten und seine Ausführungen sind sehr wichtig. In der ersten Minute sagte man mir, alle nationalen Kanäle hätten zu uns geschaltet. In der zweiten Minute sagte man mir über mein Ohrmikrofon, dass internationale Nachrichtensender mich und den Präsidenten sendeten. Natürlich hatte ich Angst. Sowohl als Journalistin, als auch als Bürgerin. Als Bürger dachte man, wo zum Teufel kommt 2016 dieser Putschversuch her? Um was geht es dabei? Und gleichzeitig Kampfjets, aus denen gebombt wurde, Helikopter, aus denen geschossen wurde. Natürlich hatten wir alle Angst und machten uns Sorgen, um unser Land, unsere Kinder und um unsere Zukunft.”