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Ohne Kopftuch: Tod von Mirzakhani bricht im Iran Tabus

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Ohne Kopftuch: Tod von Mirzakhani bricht im Iran Tabus

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Der Tod der Mathematikprofessorin Maryam Mirzakhani bringt in ihrer konservativen Heimat Steine ins Rollen.

Die 40-jährige Iranerin war am Samstag an den Folgen von Brustkrebs gestorben.

Sie wurde in Teheran geboren. Später wanderte sie in die USA aus, promovierte in Harvard und war schließlich seit 2008 als Professorin an der Stanford University tätig.

Mirzakhani ist die erste Person aus dem Iran, die mit der prestigeträchtigen Fields-Medaille für Mathematik ausgezeichnet wurde. 2014 war ihr der Preis verliehen worden.

Bei der Berichterstattung über ihren Tod brachen iranische Tageszeitungen mit strengen Traditionen: Mirzakhani wurde auf Titelseiten ohne Kopftuch abgebildet.


Ein weiterer Aspekt könnte für den Iran auch längerfristige Veränderungen bedeuten: Die Regierung in Teheran überlegt, auch Kindern, deren Mutter aus dem Iran stammt, die Staatsbürgerschaft anzuerkennen. Bisher war das nur möglich, wenn der Vater die iranische Nationalität hatte.

Mirzakhanis Tochter, die einen tschechischen Vater hat und in den USA zur Welt kam, hat offenbar Probleme, in den Iran zu reisen.

Ob die Wissenschaftlerin mit ihrer Familie in den Iran ziehen wollte, ist nicht bekannt. Sie hatte aber die Staatsbürgerschaft für ihre sechsjährige Tochter beantragt.

Eine Gruppe von Abgeordneten hatte den Fall der vestorbenen Mathematikerin zum Anlass genommen, sich für eine Gesetzesänderung einzusetzen.

Der Iran hat seit Jahrzehnten ein Problem mit der Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte und Wissenschaftler.

Nach Informationen des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Technologie, wandern jedes Jahr rund 150.000 gut ausgebildete Personen aus dem Iran aus. Für die Wirtschaft bedeute das einen jährlichen Verlust von 130 Milliarden Euro.