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Ravenna-Festival: Musikalisch Brücken bauen zwischen Italien und Iran


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Ravenna-Festival: Musikalisch Brücken bauen zwischen Italien und Iran

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Ein historischer Moment auf dem italienischen Ravenna-Festival: Zum 20-jährigen Jubiläum der Konzertreihe “Roads of Friendship” spielen italienische und iranische Musiker zusammen Verdi – in Ravenna und Teheran.

In allerletzter Minute haben die iranischen Behörden zugestimmt. Chefdirigent Riccardo Muti erklärt:

“Dieses Konzert zu organisieren war wirklich abteuerlich wegen der politischen Situation und natürlich weil Musik seit der iranischen Revolution verboten war. Erst vor zwei Jahren wurden Teherans Symphonie-Orchester und Chor neu gegründet. Nach der jüngsten Wahl hat Herr Ruhani die Türen geöffnet.”

Für die Cellistin Honey Kazerooni war es der erste Auftritt außerhalb des Iran:

“Ich bin sehr aufgeregt, dass ich Menschen anderer Kulturen, mit einer anderen Geschichte, mit einer anderen Kunst, aus anderen Teilen der Welt treffe. Es ist das erste Mal, dass ich eine Oper gespielt habe. Das war ganz anders als eine Symphonie zu spielen, es war viel größer, man muss den Sängern zuhören, und alles mögliche beachten. Ich werde jetzt allen erzählen, dass ich mit Maestro Muti gearbeitet habe.”

Da im Iran keine weiblichen Solisten vor männlichem Publikum auftreten dürfen, wurden nur Arien für Männerstimmen ausgewählt. Sie werden von italienischen Sängern aufgeführt.

Maestro Muti erklärt das Konzept:
“Wir mischen uns nicht in die Politik der Länder ein, die wir besuchen. Wir stehen darüber. Ich möchte keine Kritik daran üben, dass wir keinen Sopran-Solo auf der Bühne haben. Ich sehe es so: Im Orchester können Männer und Frauen zusammensitzen, das ist ein großer Fortschritt.”

Cellistin Kazerooni erzählt, dass wie sich die Gesellschaft im Iran immer weiter öffnet:
“Heutzutage ist es ganz normal, dass Eltern ihre Kinder zum Musikuntericht schicken. Als ich ein Kind war, war es sehr eigenartig, mit einem großen Instrument durch die Straßen zu laufen. Sie haben mich komisch angesehen, aber jetzt ist eigentlich ganz normal.”

Die Wahl von Verdis Stücken ist kein Zufall:
“Die Wahl des Programms, also alles Verdi, war eine gute Entscheidung, denn Verdi ist wirklich universell. Was schrieb doch der italienische Dichter Gabriele d’Annunzio als er starb: “Er weinte aus Liebe für alle”

Die Roads of Friendship beweisen einmal mehr, dass Musik es schafft, Brücken zu bauen. Auch zwischen Ländern, die für lange Zeit isoliert vom Rest der Welt waren.

Die erste Oper, die seit Jahren im Iran aufgeführt wurde, war Puccinis “Gianni Schicchi”:

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