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Schwimmender Shitstorm: 85-Jährige bringt Ausflugsschiffe auf dem Zürichsee zum Hupen


Schweiz

Schwimmender Shitstorm: 85-Jährige bringt Ausflugsschiffe auf dem Zürichsee zum Hupen

Eine ältere Dame macht in den Schweizer Medien Schlagzeilen: Sylvia Bachofen ist nicht nur in den Zeitungen ein Star, sie hat die Herzen vieler im Internet erobert mit ihrer ganz besonderen Aktion.

Weil die Ausflugs- oder Kursschiffe auf dem Zürichsee seit Anfang Juli 2017 bei der An- und Abfahrt von ihrem Steg kein Hupsignal mehr abgeben dürfen, schwimmt Frau Bachofen ihnen entgegen, um sie zum – wie die Schweizer sagen – “Hornen” zu bringen. Die Schiffe dürfen ihr Tutsignal wegen des Lärms nämlich nur noch als Warnung vor einer Gefahr abgeben. Auf mehreren Fotos in der Schweizer Presse und im Internet ist die 85-Jährige zu sehen, wie sie schwimmend kämpferisch den Arm in die Höhe reckt – gefährlich nah vor einem Schiff. Ihr Schwimmen richtet Sylvia Bachofen jetzt nämlich nach dem Fahrplan der Schiffe, um sie bei An- oder Abfahrt zu stören und durch die Gefahrenlage zum Hupen zu bringen. Einige sprechen von “zivilem Ungehorsam” oder von “zivilem Widerstand”.

In einem Gespräch mit der NZZ erklärt Sylvia Bachofen, dass sie eine “riesige Wut im Bauch” habe gegen den Anonymen, der sich über das Tuten beschwert und das Verbot durchgesetzt hat. Sie bezeichnet ihre Aktion als “Shitstorm” gegen den Beschwerder. Denn für die Bewohnerin von Grüningen gehört “das Hornen der Schiffe zum Zürichsee wie das Schnattern der Enten und Schwäne oder das Kreischen der Möwen”. Sie schwimmt im Zürichsee, seit sie ein kleines Mädchen war.

Die Zürichsee-Zeitung erklärt das Ende des regelmäßigen Hornens mit der Beschwerde eines Anwohners. Generell ist es nach Ansicht vieler lauter geworden auf dem Zürichsee. Aber da die Binnenschiffahrtsregeln kein automatisches Hupen vorsehen, wurde die mehr als 50 Jahre alte Tradition am 5. Juli 2017 von der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) abgeschafft. Dabei fanden die Schiffskapitäne das Warnsignal offenbar sinnvoll.


Auf Twitter ist die 85-jährige Schwimmerin ein Star.