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Das Sterben im Kongo geht weiter


Republik Kongo

Das Sterben im Kongo geht weiter

Die Vereinten Nationen (UN) haben in der Demokratischen Republik Kongo in den ersten sieben Monaten des Jahres mehr als 2800 Menschenrechtsverletzungen gezählt. Die meisten Gewalttaten wurden in der kongolesischen Krisenregion Kasai verübt. 491 Menschen, darunter 140 Kinder seien getötet worden. Insgesamt sollen in der Region fast 50 Massengräber entdeckt worden sein. 170 Menschen sind nach Angaben der UN wegen ihrer politischen Aktivitäten inhaftiert. Die Regierung trägt laut UN Mitschuld an der Situation, auch Polizisten würden sich an den Überfällen beteiligen.

Der Konflikt in der vormals friedlichen Region Kasai im Zentrum des Landes war eskaliert, nachdem Sicherheitskräfte im August 2016 den Anführer der Rebellengruppe Kamuina Nsapu getötet hatten. Seitdem werden der Miliz sowie dem Militär schwere Verbrechen vorgeworfen. Rund 1,3 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Die Gräueltaten im Kongo werden nach Darstellung der Vereinten Nationen nicht zuletzt von Kindersoldaten der Rebellengruppe Kamuina Nsapu begangen. Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis 13 Jahren kämpfen laut einem Bericht des Büros des UN-Menschenrechtskommissars. «Zeugen berichteten, dass die Mädchen das Blut der Opfer trinken als Teil eines magischen Rituals, das die Gruppe unbesiegbar machen soll. » Der Aberglaube in der Bevölkerung trage offenbar dazu bei, dass eine nur schwach ausgerüstete, vor allem aus Kindern bestehende Miliz mehr als ein Jahr lang der Offensive der Armee widerstehen könne, heißt es in dem Bericht.

Außerdem wurden seit Jahresbeginn mehr als 4500 Fälle sexueller Gewalt registriert. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit höher liegen, denn die meisten Opfer leben in unzugänglichen Gebieten, hätten Angst, von den Übergriffen zu berichten oder hätten ihre Qualen schlicht nicht überlebt. In einem Krankenhaus nahe der Grenze zu Ruanda werden angeblich jährlich rund 3500 Frauen wegen schwerer Verletzungen ihrer Geschlechtsorgane behandelt, die von Gewaltverbrechen herrühren. Zwar seien für die meisten Übergriffe Rebellen verantwortlich, fast ein Fünftel der registrierten Fälle gehe jedoch auf das Konto von Regierungstruppen und Polizisten. Einheiten der Streitkräfte gingen beispielsweise gezielt gegen Ortschaften vor, die der Unterstützung von Milizen verdächtigt werden. Dabei komme es zu Plünderungen, Massenvergewaltigungen und mitunter zur Ermordung von Zivilpersonen.