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Vietnamesen-Kidnapping: "Finsterer Film über den Kalten Krieg"

Berlin denkt wegen der Entführung eines Vietnamesen in Berlin über Maßnahmen gegen Hanoi nach.

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Vietnamesen-Kidnapping: "Finsterer Film über den Kalten Krieg"

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Die deutsche Regierung hat die Darstellung Hanois, wonach der Geschäftsmann und Ölmanager Trinh Xuan Thanh freiwillig nach Vietnam zurückgekehrt ist, zurückgewiesen.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bekräftigte, der Mann sei am hellichten Tag in Berlin entführt worden. Er verteidigte die Ausweisung des vietnamesischen Geheimdienstresidenten aus Berlin.

Nach der Entführung eines vietnamesichen Geschäftsmannes im Berliner Tiergarten war er aufgefordert worden, Deutschland innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Die vietnamesische Regierung hatte diese mit “Bedauern zur Kenntnis genommen.”

In Wolfsburg sagte Gabriel: “Wir haben ihn nicht gebeten, wir haben ihn aufgefordert das Land zu verlassen. Er ist eine Person, die nach unserer festen Überzueugung involviert ist in Kidnapping. Es spricht nichts gegen die Annahme, sondern ausschließlich alles für die Annahme, dass hier mit Hilfe des vietnamesischen Geheimdienstes und seines Residenten in der vietnamesischen Botschaft in Deutschland ein Mensch nach Vietnam entführt worden ist, der übrigens hier auch Asyl beantragt hat. Jedenfalls ist der mit Methoden außer Landes gebracht worden, nach unserer Auffassung, die Sie ansonsten in finsteren Filmen über den Kalten Krieg sehen können. Und das ist etwas, das wir nicht dulden werden und nicht dulden können.”

Trinh Xuan Thanh war mitten in Berlin im Tiergarten in ein Auto gezerrt worden. Dann tauchte er in Hanoi wieder auf und erklärte im Staatsfernsehen, er habe sich freiwillig gestellt. In einer schriftlichen Stellungnahme soll er geschrieben haben, er habe in ein Deutschland ein elendes Leben geführt und sei nun zur Einsicht gekommen.

Die vietnamesische Regierung wirft ihm vor, als Chef einer staatlichen Öl- und Gas-Firma für Verluste von etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein.

Berlin denkt derweil über weitere Maßnahmen nach.