Eilmeldung

Kenia: vor der Wahl, vor der Gewalt

Sie lesen gerade:

Kenia: vor der Wahl, vor der Gewalt

Schriftgrösse Aa Aa

In Kenia haben die Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahl am Dienstag begonnen. Noch ist es weitgehend friedlich in dem ostafrikanischen Land, aber die Erfahrungen aus der Vergangenheit machen Beobachtern Sorgen. Man erinnert sich an 2007; damals hatte es Vorwürfe der Wahlmanipulation gegeben, dazu Proteste, die in Gewalt endeten. Mehr als 1.000 Menschen verloren ihr Leben.

“Wir bitten Gott um eine friedliche Wahl”, so Präsident Uhuru Kenyatta beim öffentlichkeitswirksamen Besuch einer Kirche. “Möge er uns vereinen durch das Ergebnis dieser Wahl. Wir werden das Ergebnis akzeptieren. Kenia wird auch nach dieser Wahl fortbestehen.”

Kenia, die große Unbekannte

Kenia ist ein politisch und wirtschaftlich wichtiger Staat in Ostafrika. Das Land ist gut eineinhalb Mal so groß wie Deutschland und hat geschätzt knapp 48 Millionen Einwohner, davon leben 3,5 Millionen in der Hauptstadt Nairobi. Etwa 70 Prozent der Einwohner sind Christen, 20 Prozent Muslime. Obwohl Kenia mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 59 Millionen Euro eine der leistungsfähigsten Volkswirtschaften Ostafrikas ist, lebt knapp die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, wird aber von der problematischen Sicherheitslage mit Terroranschlägen der somalischen Miliz Al-Shabaab beeinträchtigt.

dpa

Eine Niederlage nicht akzeptieren will der Herausforderer Raila Odinga, das hat er bereits angekündigt. In Kenia wählen viele nicht aufgrund politischer Inhalte. Die Wählerschaft spaltet sich entlang ethnischer Grenzen zwischen Bevölkerungsgruppen. Der amtierende Präsident Uhuru Kenyatta hat Umfragen zufolge nur einen hauchdünnen Vorsprung. Dass Politik Familiensache ist, zeigt sich an Odinga ebenso wie am Präsidenten. Oppositionsführer Odinga ist Sohn des ersten Vizepräsidenten Kenias nach der Unabhängigkeit, Präsident Kenyatta ist Sohn des ersten Präsidenten der Republik.

Die sowieso schon bestehenden Sorgen um einen friedlichen Verlauf der Wahlen werden noch verstärkt durch zwei Ereignisse der vergangenen Tage. So wurde der Leiter des elektronischen Wahlsystems tot aufgefunden. Und zwei Berater des Oppositionsführers Odinga, ein US-Amerikaner und ein Kanadier, wurden aus dem Land geworfen. Aus dem Innenministerium heißt es schwammig, die beiden hätten gegen ihre Visabedingungen verstoßen.