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Warum gibt Carla Del Ponte auf? euronews-Gespräch zur Grausamkeit in Syrien

"Ich habe schon viel gesehen, aber noch nie habe ich so viel Grausamkeit, soviel Bösartigkeit gesehen."

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Warum gibt Carla Del Ponte auf? euronews-Gespräch zur Grausamkeit in Syrien

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Der Syrienkonflikt begann 2011, im selben Jahr setzte der UN-Menschenrechtsrat eine Untersuchungskommission ein. Nach UN-Schätzungen wurden mehr als 330.000 Menschen getötet, knapp ein Drittel der Opfer sind Zivilisten. Kommissionsmitglied Carla Del Ponte kündigte jetzt frustriert ihren Rückzug an – wegen Ergebnislosigkeit ihrer Arbeit. Der UN-Generalsekretär António Guterres widersprach der früheren UN-Chefanklägerin: die Untersuchungskommission sei wichtig.

euronews hat mit der ehemaligen UN-Chefanklägerin über ihre Rückzugsgründe gesprochen:

Carla Del Ponte, Mitglied der UN-Syrien-Untersuchungskommission: “Zuerst einmal möchte ich dem UN-Generalsekretär danken, dass er meinen Rückzug wahrnimmmt, das heißt, Syrien und unsere Untersuchungskommission sind immerhin ein Thema. Denn der Sicherheitsrat hat bis heute nichts entschieden, obwohl wir seit sieben Jahren Beweise über Verbrechen in Syrien sammeln. “

euronews: Was ist das Problem?

Carla Del Ponte: “Der Sicherheitsrat ist blockiert, weil Russland sein Vetorecht nutzt, das ist natürlich politisch motiviert. Es sind einige Länder an dem Konflikt beteiligt, und natürlich spiegeln sich die politischen Interessen dieser Länder in den Entscheidungen des Sicherheitsrates.”

Claudio Rosmino, euronews: Wie beurteilen Sie den Syrienkonflikt im Vergleich mit anderen Konflikten, mit denen sie sich beschäftigt haben – zum Beispiel Jugoslawien oder Ruanda?

Carla Del Ponte: “In Jugoslawien oder Ruanda hat der Sicherheitsrat innerhalb von sechs Monaten reagiert, nachdem die Untersuchungskommission ihren ersten Bericht geliefert hatte. Hier ist in sieben Jahren nichts passiert! Das ist ein Skandal, eine riesige Schande für die internationale Gemeinschaft. Schauen Sie sich die Art der Verbrechen an. Ich habe schon viel gesehen, aber noch nie habe ich so viel Grausamkeit, so viel Bösartigkeit gesehen. So etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt.”