Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Royale Revolte: Prinz Henrik will nicht ins Grab der Königin


Dänemark

Royale Revolte: Prinz Henrik will nicht ins Grab der Königin

Schon seit langer Zeit ist offenkundig: Prinz Henrik und die Dänen, das ist ein schwieriges Verhältnis. Der in Frankreich als Henri Graf de Laborde de Monpezat geborene ehemalige Diplomat und Ehemann der dänischen Königin spricht auch nach Jahrzehnten in den Höhenlagen der dänischen Gesellschaft die Landessprache, zumindest nach Ansicht vieler Untertanen, nur unzureichend. Mehrfach ist er eher durch bissige Kommentare aufgefallen als durch Verdienste um Königin und zweites Vaterland. Alles in allem scheint er das absolute Gegenteil seiner anpassungsfähigen Schwiegertöchter, der Australierin Mary und der Französin Marie zu sein. Beide haben schnell die dänische Sprache gelernt und zumindest versucht, sich beim Volk durch Wohltätigkeit beliebt zu machen.

Als die beiden Söhne den Kinderschuhen entwachsen waren, wurde klar: Auch ihr Verhältnis zum Vater kann als facettenreich gelten. Bei einem Bankett zu Ehren seiner Eltern brachte der damals noch jugendliche Kronprinz Frederik seinerseits einen bissigen Toast aus. “Vater, man sagt, wen man liebt, den züchtigt man. An Deiner Liebe haben wir nie gezweifelt”, so Frederik mit erhobenem Glas vor Gästen aus aller Welt. Zwar quittierten der brüskierte Vater und die Anwesenden die Anekdote damals mit Gelächter, doch der Schlag dürfte gesessen haben.

Jahre später kam es dann zur Konfrontation zwischen Königin Margrethe II. und ihren Söhnen einerseits und dem Prinzgemahl andererseits. Am traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps in Kopenhagen im Jahr 2002 hatte die Köngin aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen können und schickte Sohn und Mann. Der Thronfolger übernahm seiner Rolle entsprechend die Begrüßung der Gäste und trat einen Schritt vor – für den Prinzgemahl eine öffentliche Demütigung, wie er später durchblicken ließ. Prinz Henrik reiste ab und zog sich schmollend auf sein Weingut Caix in Südfrankreich zurück. Um das Gesicht zu wahren, reiste Königin Magarethe hinterher, samt Sohn und Dackel, um wenig später im Park des Weinguts einen Fototermin anzusetzen. Die Botschaft: alles paletti. Fragen waren den eilig angereisten Journalisten allerdings nicht erlaubt.

Im Jahr 2016 dann dürfte der Prinz aufgeatmet haben. Mit über 80 zog sich der 1934 geborene Adelige aufs Altenteil zurück: Keine offiziellen Termine mehr und auch den “Prinzgemahl” legte er ab. Für den Titel, der ihn stets zwei Schritte hinter der Monarchin platzierte, hatte er nie etwas übrig. Es sei an der Zeit, dass die Männer den Frauen gleichgestellt würden, hatte der Prinz bereits 2009 in einem Interview erklärt.

In der verganenen Woche folgte eine Nachricht, die das dänische Volk einmal mehr befremdet haben dürfte. Der Palast gab bekannt, dass Prinz Henrik nicht neben seiner Frau beigesetzt werden wolle. Wie bitte?, scheint da mancher Untertan nach Luft geschnappt zu haben. Zur Erklärung: Die dänischen Monarchen nebst Ehepartnern werden traditionell im Dom der Stadt Roskilde beigesetzt. Für das royale Ehepaar war schon vor einiger Zeit ein aufwändiger Sarkophag in Auftrag gegeben worden. Und nun das. “Es ist meine Frau und nicht ich, die etwas an der Entscheidung ändern kann”, sagte Henrik einer dänischen Zeitung. “Wenn sie will, dass wir zusammen begraben werden, muss sie mich zum Königinnengemahl machen. Fertig.” Prinz Henrik hat damit einmal mehr seine eigenen Spielregeln aufgestellt. Auch mit über 80 scheint er noch gegen seine Rolle im Schatten seiner Frau zu rebellieren.

Nach der Bekanntgabe von Henriks Plänen wurde von Fans der Monarchie über Twitter das Foto eines Minatursarkophags verbreitet. Es handelt sich um ein Modell der Ruhestätte, die für Margrethe und Henrik in Auftrag gegeben worden war:


Sein ältester Sohn Frederik soll sich im engeren Kreis zurückhaltend zu den Forderungen seines Vaters geäußert haben. Er für seinen Teil, so der Thronfolger, fände das alles sehr bedauerlich. Eine offizielle Stellungnahme des Königshauses zu Prinz Henriks Ansinnen gab es bisher nicht. Doch damit nicht genug.

Am Dienstag dann setzte der Prinz noch einen drauf, verstieg sich gar zu einem öffentlichen Vorwurf gegen die Königin, die das ungewöhliche Verhalten ihres Gatten bisher stets mit einem stoischen Lächeln quittierte. Angesichts der jüngsten Äußerung könnte ihr das jedoch vergangen sein. “Sie macht aus mir einen Narren”, so der Prinz. “Ich habe mich nicht mit der Königin vermählt, um in Roskilde begraben zu werden”, so Privatier Henrik im Gespräch mit der Zeitung “Se og Hør”. Dabei scheint Henrik die Bestattung an der Seite seiner Frau in Roskilde gar nicht grundweg abzulehnen. Doch, König oder zumindest Königinnengemahl müsste er dafür schon sein, auf Augenhöhe mit seiner gekrönten Frau. Alles andere scheint der Prinz als Mangel an Loyalität und Respekt zu werten – auch nach mehr als 50 Ehejahren.

Den Urlaubsplänen des königlichen Paares scheint der neueste Wirbel um Prinz Henrik keinen Abbruch getan zu haben. Eine Fanseite auf Twitter, die sich mit Neuigkeiten rund um die skandinavischen Monarchien beschäftigt, meldete am Mittwoch die Sichtung von Königin Margrethe beim Einkaufen in der Nähe des Weinguts ihres Mannes in Südfrankreich. Ein Urlaub zu zweit. Oder ein erneuter Einsatz der Königin zur Ehrenrettung der dänischen Monarchie. (LF)