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Ripoll: Schockstimmung in der "Brutstätte des Terrors"

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Ripoll: Schockstimmung in der "Brutstätte des Terrors"

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Gepflegte Häuser, wenig Arbeitslosigkeit, eine gut integrierte muslimische Gemeinde: Dass so die Brutstätte des Terrors aussieht, das hätten sie in Ripoll nicht gedacht. Aus der 10.000-Einwohner-Kleinstadt in Spanien kamen gleich mehrere der mutmaßlichen Attentäter von Barcelona und Cambrils.

“Manche der Jungs wurden hier geboren, andere sind hier aufgewachsen”, erzählt der stellvertretende Bürgermeister Miquel Rovira, “alle haben hier die Schule besucht. Manche waren bekannt dafür, dass sie an von der Stadtverwaltung angebotenen Gruppen teilgenommen haben. Sie waren völlig unauffällig.”

Die Nachbarn der Familien, aus denen die Attentäter stammen, sind immer noch schockiert. Sie sprechen bis heute gut über die Männer, zumindest darüber, wie sie sie gekannt haben. Es ist nicht Hass, es ist Fassungslosigkeit, die aus ihnen spricht. Auch bei ehemaligen Schulkameraden.

“Wir waren auf der selben Schule und hatten gemeinsame Freunde”, erzählt ein 21-jähriger Mann, der anonym bleiben will. “Was jetzt geschehen ist, erlebt man normalerweise nicht persönlich. Wenn man hört, was mit diesen Menschen passiert ist, die man hier sonst auf der Straße gesehen hat, das bewegt einen schon sehr.”

Trotz fremdenfeindlicher Aufkleber, die in den vergangenen Tagen in Ripoll verbreitet wurden, glauben hier Einige, vielleicht Viele, noch an das Gute in diesen Menschen. Irgendjemand, so hört man in Ripoll, habe ihnen diese wirren Ideen von Gewalt und Tod in den Kopf gesetzt. Das war wohl der Imam der muslimischen Gemeinde. Aber auch er war bis zuletzt unauffällig, bis er einen Tag vor den Anschlägen bei einer Explosi on ums Leben kam.

Am Samstag wollen die Bürger Ripolls demonstrieren. Nicht gegen die Migrantenfamilien, nicht gegen die Muslime, sondern für eine Zukunft in Frieden.