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Österreich: G!LT-Spitzenkandidat verbreitet antisemitische Hetzschrift

Die Partei des österreichischen Kabarettisten und Schauspielers Roland Düringer, "Meine Stimme gilt", hat ein Antisemitismus-Problem.

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Österreich: G!LT-Spitzenkandidat verbreitet antisemitische Hetzschrift

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Die Partei des österreichischen Kabarettisten und Schauspielers Roland Düringer, “Meine Stimme gilt” (G!LT), hat ein Antisemitismus-Problem.

Der Spitzenkandidat der Partei für die Nationalratswahl im Oktober, Günther Lassi, verbreitete auf seiner Website die judenfeindliche Hetzschrift “Protokolle der Weisen von Zion”. Darauf machte der Politologe Matthias Falter aufmerksam.

Inzwischen ist die Homepage Lassis nicht mehr zu erreichen. Auf ihr waren auch zahlreiche esoterische und naturheilkundliche Texte und Links zu finden. Lassi selbst präsentiert sich auf seiner Seite als Magier “Merlin”.

Lassi schrieb mittlerweile auf Facebook, er habe einen Fehler gemacht “und dieses Pamphlet unbedacht auf meine Homepage gestellt”. Er distanziere sich “strikt von solchem faschistischen Gedankengut”. Lassi bezeichnete sich als “Pazifist und Humanist”.

Lassis Facebook-Eintrag

Die Schrift “Protokolle der Weisen von Zion” wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erstellt und verbreitet. Schon die Nazis bezogen sich auf sie. Das Pamphlet unterstellt eine jüdische Weltverschwörung und steht bis heute bei Nazis und antisemitischen Verschwörungstheoretikern hoch im Kurs.


Der 70 Jahre alte Rentner Lassi gelangte per Losverfahren auf den Spitzenplatz der Wahlliste. Die Partei “Meine Stimme gilt” wurde von Roland Düringer ins Leben gerufen, um auch Nichtwählern eine Stimme zu geben.

Lassi ist nach wie vor auf Listenplatz 1. Die Partei tritt in diesem Jahr erstmals bei den Nationalratswahlen an.

Parteigründer mit Nähe zu Verschwörungstheoretikern



Düringer selbst war bereits für den Negativpreis “Goldenes Brett vorm Kopf” nominiert, er verbreite Verschwörungstheorien, so die Jury des Preises. So nähre er Zweifel an wissenschaftlichen Fakten, stehe Impfungen kritisch gegenüber und kokettiere mit der Ansicht, bei Kondesstreifen handele es sich um sogenannte Chemtrails.

Daneben habe er die ehemalige Tagesschausprecherin Eva Hermann, die inzwischen ins Milieu rechtslastiger Verschwörungstheoretiker abgesunken ist, in seine Talkshow “Gültige Stimme” eingeladen. Ebenso den Esoteriker Rüdiger Dahlke. Außerdem empfahl er, sich Beiträge des deutschen Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen anzuschauen, der durch seine Auftritte bei den rechtslastigen Montagsmahnwachen ebenso aufgefallen ist wie durch seine antisemitischen Aussagen.

euronews/Kurier.at/Foto: Screenshot

Zusatzlinks
Kandidatenliste auf der Website der Partei
Kandidatenvideo von Günther Lassi auf Youtube
Mehr zu Düringer und seiner Nähe zu Verschwörungstheorien
Interview über Verschwörungstheorien
Weitere Infos zu Düringer und Verschwörungstheorien
Website Lassis