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Atomangst: Aachen verteilt Jodtabletten

Die Region Aachen sorgt für einen Atomunfall vor.

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Atomangst: Aachen verteilt Jodtabletten

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Im Raum Aachen werden jetzt Jodtabletten verteilt. Der Grund: die Angst vor einem Atomunfall im nahe gelegenen belgischen Kernkraftwerk Tihange. Deshalb hatte die Region beim Land Nordrhein-Westfalen darauf gedrungen, die Bevölkerung schon jetzt mit den hoch dosierten Pillen zu versorgen. Menschen bis zu 45 Jahren, Schwangere und Stillende haben ein Anrecht auf die kostenlosen Tabletten, die Schilddrüsenkrebs verhindern sollen. Sie können bis Ende November über einen Link im Internet Bezugsscheine beantragen, die sie in beteiligten Apotheken einlösen. Die Behörden rechnen damit, dass mehr als jeder Dritte das Angebot wahrnimmt. Eine Maßnahme, die bundesweit bisher nur in Ausnahmefällen und in sehr begrenzten Bereichen zugelassen wurde.

“Unsere Aufgabe ist es als Katastrophenschutzbehörde jetzt nicht unnötige Panik zu verursachen – und für die ist auch kein Platz. Sondern auf der anderen Seite aber auch nicht bagatellisieren, sondern mit dem Problem verantwortungsbewusst umgehen. Und das tun wir, in dem wir uns ganz seriös auf einen eventuellen Ereignisfall vorbereiten”, sagt Verteilungskoordinator Markus Kremer.

Das umstrittene AKW Tihange liegt nur etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt. Reaktor 2 blieb aufgrund von Haarrissen am Reaktorbehälter seit 2012 fast durchgehend abgeschaltet. Gegen Protest aus Deutschland wurde er Ende 2016 wieder hochgefahren. Selbst Regierungspolitiker sehen den Betrieb des 40 Jahre alten AKWs kritisch.


“Also es ist natürlich schön, dass Initiative gezeigt wird. Aber richtig beruhigen tut mich das jetzt nicht”, sagt eine junge Frau. “Wenn es schon so weit ist, dass die Stadt es verteilt, dann muss doch eigentlich irgendwas verkehrt laufen, oder”, fragt sich ein junger Mann.



Belgien verfügt über insgesamt sieben Reaktoren. Im Zuge des Atomausstiegs sollen spätestens 2025 alle Meiler abgeschaltet sein.