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Wahlkampf im Bierzelt

In Niederbayern treten Spitzenpolitiker beim Volksfest gegeneinander an.

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Keine Verschnaufpause für den SPD-Kanzlerkandidaten: Einen Tag nach dem TV-Duell mit der Kanzlerin hat sich Martin Schulz mit weiteren Spitzenkandidaten gemessen – beim Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos in Abensberg. Der Gillamoos ist einer der ältesten Jahrmärkte Niederbayerns. Am letzten Tag des fünftägigen Festes treten traditionell Spitzenpolitiker parallel in Bierzelten auf, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind. Nach dem Politischen Aschermittwoch ist dies das größte Politikspektakel in Bayern. Hemdsärmelig bekräftige Schulz dort seine Haltung zur Türkei:

“Diese Türkei, das fällt mir schwer, das zu sagen, kann nicht Mitglied der Europäischen Union werden. Wenn ich die Mehrheit der Deutschen hinter mich vereinen kann und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werde, dann werde ich die Nachbarn in Europa darum bitten, die Beitrittsgespräche mit der Türkei abzubrechen.”


Im Bierzelt der CSU hatte Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Auftritt – leger in Jeans und ohne Krawatte. In seiner mehr als 80-minütigen Rede sagte der Ex-Verteidigungsminister allerdings kein Wort zu einem politischen Comeback. Der CSU-Politiker musste vor sechs Jahren zurücktreten, weil seine Doktorarbeit als Plagiat eingestuft wurde. Martin Schulz habe “Pirouetten” zum Thema Türkei gedreht: erst der rote Teppich und jetzt wolle man rote Linien ziehen.


Auch die kleineren Parteien hatten auf dem Gillamoos ihren Auftritt. Grünen-Chef Cem Özdemir schimpfte bereits vor seiner Rede über das gestrige TV-Duell:

“Wenn man ein Bild bräuchte für den Stillstand dieser Republik hat man es gestern Abend gesehen. Sie haben sich lange unterhalten, aber die Zukunft fand de facto nicht statt.”


FDP-Chef Christian Lindner attestierte dem Duell den Charakter eines “Bewerbungsgesprächs”:

“Das war doch nicht die Auseinandersetzung um politische Alternativen, die wir in Deutschland brauchen. Das war kein Duell, das war ein Duett. Und das hätten die sich schenken können.”