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UN mahnt Lösung an nach Massenflucht der Rohingyas

Die Flüchtlingscamps in Bangladesch platzen aus allen Nähten; die faktisch regierende Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi hält sich bedeckt.

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UN mahnt Lösung an nach Massenflucht der Rohingyas

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Nachdem innerhalb einer Woche rund 120.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflohen sind droht eine humanitäre Tragödie. Hilfsorganisationen schlagen Alarm, weil Flüchtlingscamps voll seien und Geld zur dringend notwendigen Versorgung der Menschen fehle.

Die Rohingya seien von dem «Risiko einer ethnischen Säuberung bedroht», sagte UN-Generalsekretär António Guterres. «Den Muslimen aus Rakhine muss eine staatliche Nationalität oder zumindest vorerst ein gesetzlicher Status gegeben werden, der es ihnen erlaubt, ein normales Leben zu haben, sich frei bewegen zu können und Zugang zu Arbeitsmarkt, Bildung und Gesundheitswesen zu haben.»

Seit Ausbruch der Gewalt am 25. August sollen mindestens 400 Menschen getötet worden sein. Regierungskreise machen die bewaffnete Rohingya-Gruppe Arsa verantwortlich. Arsa hatte sich zu Angriffen auf Militärposten bekannt, die eine Gegenoffensive der Armee zur Folge hatte. Zuletzt waren mehr als 2.600 Häuser in der überwiegend von Angehörigen der muslimischen Minderheit bewohnten Region Rakhine niedergebrannt worden. Geflohene Rohingya vermuten eine Kampagne mit Morden und Brandschatzungen der Armee, um sie aus dem Land zu vertreiben. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch unterstützt diese Einschätzung und verweist unter anderem auf Satellitenaufnahmen der niedergebrannten Dörfer. Die Regierung von Bangladesch klagt inzwischen Myanmar an, Teile der gemeinsamen Grenze zu verminen, um die Rückkehr der geflohenen Rohingya zu verhindern.

Angehörige der muslimischen Minderheit gelten als illegale Einwanderer, selbst wenn sie seit Generationen in dem vorwiegend buddhistischen Land leben. 1982 wurde ihnen die Staatsbürgerschaft entzogen, sind sie staatenlos. Über eine Million Rohingya leben in Rakhine, sie können sich aber nicht frei bewegen und haben keinen Zugang zum Schulsystem. Auch das überwiegend muslimische Nachbarland Bangladesch will die Rohingya nicht haben. In Bangladesch leben bereits etwa 400 000 Rohingya. Bangladesch will sie – angeblich vorübergehend – auf eine abgelegene Insel im Golf von Bengalen umsiedeln.

Als «Staatsrätin» ist die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi seit knapp eineinhalb Jahren de facto Regierungschefin von Myanmar, zudem noch Außenministerin. Ende des vergangenen Jahres warfen ihr elf andere Friedensnobelpreisträger indirekt Mitschuld an einer «ethnischen Säuberung» vor. In einem offenen Brief forderten unter anderen Desmond Tutu, Malala Yousafzai und Muhammad Yunus die UN auf, etwas gegen die Verbrechen an der Minderheit der Rohingyas zu unternehmen, und prangerten die Tatenlosigkeit der „moralischen Autorität“ Suu Kyi an.