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Michel Hazanavicius über Komödien, Godard und Agent OSS 117


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Michel Hazanavicius über Komödien, Godard und Agent OSS 117

Oscar-Preisträger Michel Hazanavicius leitet diese Woche die Jury beim Festival des amerikanischen Films im nordfranzösischen Seebad Deauville. Der französische Regisseur heimste mit seinem originellen Beinahe-Stummfilm “The Artist” in Schwarz-Weiß 2012 allein fünf Oscars und viele andere internationale Preise ein. Wir sprachen mit ihm in Deauville über seinen neuen Film Le Redoutable, ein intelligentes Biopic über seinen berühmten Vorgänger Jean-Luc Godard.



Hazanavicius wurde zu dem Film inspiriert, als er die Memoiren der Schauspielerin Anne Wiazemsky las, Godards damaliger Frau.



“Mehrere Leute haben zu mir gesagt, ‘Sie greifen Godard an’. Ich greife Godard keineswegs an. Ich sehe es eher als ‘Aufgreifen’ – und ich habe es super-lustig aufgegriffen. Und wenn Sie lustig sind, können Sie auch gewagt sein. Ich bin kein Bewunderer von Godard, fühle mich überhaupt nicht als sein Erbe – mein Kino kommt von ganz woanders. Aber er ist eine Persönlichkeit, eine Rolle, mit der ich mich zwei Jahre lang befasst habe, die ich geschrieben und begleitet habe, die ich mit Louis Garrel, der ihn verkörpert, ausgearbeitet habe, gecuttet – ich kann also gar nicht anders, als Zuneigung für diese Person zu empfinden.”



Eine Rückbesinnung auf die Komödie, nachdem sein Drama “The Search” über den Tschetschenien-Krieg bei Kritikern und Publikum durchfiel. “Ich mache wirklich gern Komödien, ich gebe mir da große Mühe. Ich finde, dass dies ein extrem edles Kino-Genre ist, also arbeite ich viel damit. Und dann das Thema, Jean-Luc Godard, der Mai 1968, Leute, die sich einen Kopf machen über die Politik, die Kunst und all das – wenn man das zu ernst macht, kann das leicht pompös werden. Die Komödie ist ein Mittel, auf dem Teppich zu bleiben, Distanz zu schaffen, eine Art, die mir vor allem viel angemessener erscheint – und die auch viel mehr Spaß bereitet.”

Den Flopp mit “The Search” nach dem viel gelobten The Artist hat er immer noch nicht so ganz verwunden: “Sie machen einen Film und das Beste, was Sie können – aber den Erfolg haben Sie nicht in der Hand. Ich denke nicht, dass der Film so schlecht ist, wie manche Kritiker behaupteten. Aber dass er überhaupt nicht gut gelaufen ist, das war schwierig für mich, da musste man sich erst einmal erholen… Aber das hat mich nicht davon abgebracht. Das ist für mich ein Augenblick im Leben, der wichtig ist, und für bestimmte Leute ist es ein Film, der zählt.”




Und wie wäre es mit einer dritten Folge seiner erfolgreichen Spionage-Komödie OSS 117? Hazanavicius winkt ab: “Wir gehören nicht zu den Studios, die entscheiden, der Markt verlangt OSS3, also schreiben und machen wir OSS3. Meine Art, Filme zu machen, ist, dass ich etwas Geheimnisvolles brauche, das plötzlich auftaucht, etwas, das mir mehr Lust darauf macht als alles andere. Das ist meine Art Ehrlichkeit gegenüber dem, was ich tue. Ich weiß genau, wenn ich heute OSS3 machte, wäre das gewiss ein großer Erfolg – aber im Moment habe ich Lust auf andere Dinge, die da vorrangig sind.”

Zunächst einmal wirbt er jetzt für seinen jüngsten Streifen, “Le Redoutable”.


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