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Merkel kritisiert Diesel-Tricks der Autobranche - "Vertrauen zurückgewinnen"

Chinas Übergang zu nicht-fossilen Antrieben "muss natürlich auch gerade deutsche Exporteure aufhorchen lassen"

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Merkel kritisiert Diesel-Tricks der Autobranche - "Vertrauen zurückgewinnen"

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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Autobosse wegen des Abgas-Skandals gerüffelt.

Bei der Eröffnung der Automesse IAA in Frankfurt kritisierte sie das “exzessive” Ausnutzen von Gesetzeslücken bei Dieselabgasen: “Die Automobilindustrie muss das Vertrauen so schnell wie möglich zurückgewinnen”.

Nach dem Vertrauensverlust durch den Abgas-Skandal seien starke Investitionen in neue Antriebe angesagt. Es führe kein Weg daran vorbei, dass «noch auf Jahrzehnte» effiziente und sparsame Verbrennungsmotoren gebraucht würden, sagte sie.

Die Chefs von Audi, BMW, Daimler oder Volkswagen begrüßte sie beim Messe-Rundgang freundlich und ließ sich technische Neuheiten interessiert erklären – hielt aber immer eine gewisse Distanz zu der gebeutelten Branche.


Angela Merkel, Bundeskanzlerin:

“Es sind ja vor allem weiter wachsende Großstädte und Mega-Cities, die von Schadstoffbelastungen besonders betroffen sind. Und deshalb denken ja auch Länder wie China bereits laut über das Ende von Verbrennungsmotoren nach. Das muss natürlich auch gerade deutsche Exporteure aufhorchen lassen.”


MEA CULPADER AUTOINDUSTRIE

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) gab sich reumütig. Die gravierenden Fehler bei Unternehmen der Branche hätten nicht passieren dürfen, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann. “Wir sind uns bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist, und dieses zurückzugewinnen ist unser oberstes Anliegen.”

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren war in den USA bekannt geworden, dass Volkswagen die Abgasreinigung von Millionen Dieselmotoren weltweit manipuliert hatte.


ENTSCHEIDENDER SEKTOR DES INDUSTRIESTANDORTS

Und das Statistische Bundesamt legte anlässlich der IAA frische Zahlen nach: Der Anteil der Autoindustrie an der deutschen Bruttowertschöpfung ist in den zehn Jahren bis 2015 weiter gestiegen, von 3,4 auf 4,5 Prozent. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes legte er gleichzeitig von 15,0 auf 19,6 Prozent zu – das Zweieinhalb- bis Viereinhalbfache wie in Frankreich, Italien oder Spanien. Dort sind es zwischen 4,3 und 7,7 Prozent.

Die Bruttowertschöpfung gibt den im Produktionsprozess geschaffenen Mehrwert an. Sie lag 2015 in der Autobranche bei knapp 124 Milliarden Euro, die von 871.000 Erwerbstätigen erbracht wurde.

Sigrid Ulrich mit Reuters, dpa