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Boesmans' Pinocchio in der Brüsseler "Monnaie"


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Boesmans' Pinocchio in der Brüsseler "Monnaie"

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Nach zwei Jahren Renovierung und Ausweichquartier ist die Brüsseler Oper in ihr Stammhaus, ins Theater “La Monnaie” zurückgekehrt – mit einem zeitgenössischen Werk. Hauskomponist Philippe Boesmans hatte die Ehre der Einweihung mit seiner Oper “Pinocchio” nach dem Libretto des Franzosen Joël Pommerat. Die Geschichte der Holzpuppe, die beim Versuch, ein guter Mensch zu werden, viele Abenteuer erlebt und erleidet. Das Stück wurde beim Festival in Aix-en-Provence im Sommer uraufgeführt.



“Es ist schön, dass man mit einem solchen Werk hier beginnt, letztlich ein Stück über die Initiation”, freut sich Boesmans, “ich arbeite seit langem an der Monnaie, und es ist wie ein Wunder, zurückzukehren. Wir fühlen uns schon wie im Märchen, bevor wir überhaupt anfangen. Wir hatten das ein bisschen vergessen. Es ist wie ein Wiedersehen, als ob wir von einer langen Reise zurückkommen und uns wieder ganz zu Hause fühlen.”

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Chloé Briot spielt den Pinocchio. Die Mezzosopranistin gibt eine erstaunliche schauspielerische Vorstellung: “Ganz ehrlich – Philippe Boesmans zu singen, ist sehr angenehm. Ich stelle mir letztlich niemals Fragen, wenn ich diese Partitur singe. Ich fühle mich wie in einem Hausschuh. Also konnte ich mich voll und ganz aufs Schauspielen einlassen.”

Dirigent Patrick Davin hat in Brüssel bei vielen Produktionen mit Boesmans zusammengearbeitet: “Es ist gut, mit den Komponisten vorher reden zu können, wenn man das Stück vorbereitet, um zu sehen, wie sie sich das vorgestellt haben, sich von ihren Ideen befruchten zu lassen, denn das hilft manchmal, um die Lösung zu finden.” Mit den zeitgenössischen Komponisten geht das ja: “Man wünschte sich, dass Verdi erscheint, einem auf die Schulter klopft und sagt, hmm, ganz gut, was Sie da machen!”



Philippe Boesmans über seinen “Pinocchio”: “Die Moral von dieser Geschichte ist doch schließlich: Der, der die Prüfungen des Lebens besteht, der bereit ist, zu lernen, kann jemand Wahrhaftiges werden. Nicht nur in Fleisch und Blut, sondern auch jemand, der nicht mehr lügt, der die Wahrheit sagt, der nicht mehr das Leben betrügt.”

Zwei Jahre hat er an dem Werk gearbeitet. “Ich bin ein langsamer Komponist”, grinst der 81-Jährige. “Beim Komponieren muss man sehr, sehr klar im Kopf sein und gleichzeitig empfindsam. Man muss klar sein, weil man auf vieles gleichzeitig achten muss, man muss an alle Instrumente denken, an die Sänger, ans Theater – passt das alles, haben sie die Zeit, das so zu machen?”

Wann er sich zur Ruhe setzen will? Von wegen, er denkt über eine weitere Oper nach! In der Zwischenzeit komponiert er Kammermusik – “um mich ein bisschen auszuruhen. Ich frage mich, was ist täte, wenn ich nicht mehr komponiere. Wenn ich nicht mehr komponiere, werde ich depressiv… aber das ist noch nicht der Fall!”

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