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360° Videos - Menschen zur Bundestagswahl: "Mit der Politik von Frau Merkel zufrieden"

Ein Gespräch mit dem Hallenser Unternehmer Martin Menz

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360° Videos - Menschen zur Bundestagswahl: "Mit der Politik von Frau Merkel zufrieden"

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Was beschäftigt die Menschen in Deutschland? Was wünschen sie sich von der Politik? In den Wochen vor der Bundestagswahl reisen wir mit einer 360°-Kamera durch die Republik und befragen sie. Bei allen neun Folgen unserer Serie arbeiten wir mit Regionalmedien zusammen, die für uns vor der Kamera die Interviews geführt haben. Die Protagonistinnen und Protagonisten erzählen uns, was ihre Sorgen, Hoffnungen und Wünsche sind.

In Halle in Sachsen-Anhalt haben wir für die letzte Folge der Serie zusammen mit der Mitteldeutschen Zeitung den Unternehmer Martin Menz getroffen. Der 32-Jährige ist Geschäftsführer von “Relaxdays”, einem Onlineversandhandel. Er hat vor zehn Jahren mit dem Verkauf von Kopfmassageräten über E-Bay angefangen. Der Handel damit lief so gut, dass er sich nach und nach sein eigenes Unternehmen aufbauen konnte. Mittlerweile hat er 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und über 2000 Artikel im Angebot.

Julius Lukas, Mitteldeutsche Zeitung: “Relaxdays ist jetzt zehn Jahre am Markt. Wenn Sie zurückdenken, gab es da einen Moment, in dem Sie sich ein bisschen mehr Unterstützung erhofft hätten oder an behördlich-politische Grenzen gestoßen sind? Einen Moment, in dem Sie dachten, es könnte so viel einfacher sein, wenn mehr Unterstützung da wäre?”

Martin Menz, Geschäftsführer und Gründer von Relaxdays: “Als Unternehmer setze ich mich wenig mit den Dingen auseinander, die nicht gehen, sondern versuche, sehr schnell eine Lösung zu finden. Die findet sich meistens außerhalb der Politik. Ich glaube, Politik sollte im Endeffekt das große Umfeld aufbauen, die Basis. Dinge wie, dass wir hier in Frieden leben können, dass wir politisch ein angesehenes Land in der Welt sind. Das ist für mich sehr wichtig. Aktuell ist das auch gegeben. Das ist mir ziemlich viel wert an der Regierung, die wir haben. Deswegen bin ich persönlich mit der Politik von Frau Merkel zufrieden.”

"Internetinfrastruktur weiter verbessern"

Menz’ Unternehmensgründung ist eine Erfolgsgeschichte: Für 2017 rechnet er mit einer Wachstumsrate von 30 Prozent und einem Umsatz von 20 Millionen Euro. Der lag im vergangenen Jahr bei 14 Millionen Euro. Aktuell sucht er neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und plant, einen weiteren Standort aufzumachen.

Lukas: “Wo könnte man als Unternehmen Unterstützung gebrauchen? Oder wo könnte die Politik sich noch besser darauf einstellen, dass Ihr Unternehmen weiter wächst? Sie haben schon Riesenwachstumsraten, aber dass das auch so bleibt?”

Menz: “Gute Frage. Sicherlich sollte sich die Politik mit dem ganzen Digitalisierungsthema auseinandersetzen und die Internetinfrastruktur weiter verbessern. Ich bin zuletzt als Beifahrer aus Frankfurt wieder zurück hierher gefahren und habe versucht, mit dem Internet zu arbeiten. Da fährt man in Löchern rum, in denen es kein Internet gibt. Ich denke, da sollte dran gearbeitet werden, so dass wir flächendeckend eine gute Anbindung ans Internet bekommen. Denn im Endeffekt ist das genau so ein wichtiger Infrastrukturteil wie eine Autobahn, eine Verkehrsanbindung, Strom oder Wasser.”

Tatsächlich gilt der stockende Internetausbau zunehmend als Standortnachteil für Deutschland. Die Bundesrepublik liegt im
“State of the Internet Report” des Internetdienstleisters Akamai auf Platz 25 der Länder mit dem schnellsten Netz. Was die Glasfaserabdeckung angeht, liegt Deutschland nach Angaben des Fibre to the Home Council Europe hinter Ländern wie Lettland, Russland, den Niederlanden oder Italien.

Relaxdays verkauft Freizeitprodukte: Bambusmöbel, Grills, Gartenbedarf, Kuchenzubehör. Die meisten der Produkte werden aus Asien importiert und anschließend über die eigene Homepage oder große Onlineversandhändler wie Amazon und Ebay vertrieben.

"Würde mich in erster Linie als Europäer bezeichnen"

Lukas: “Sie lassen Ihre Produkte in der ganzen Welt produzieren. Dann kommen sie alle hier nach Halle. Wohin werden sie dann verkauft?”

Menz: “Wir haben Kunden in den Niederlanden, in Spanien, Deutschland, Frankreich, Italien, England, Polen, Dänemark, Slowakei, überall. Wir haben insgesamt sechs, sieben Muttersprachler aus anderen Ländern hier, die unsere Produkte fertigmachen für den europäischen Raum. Das Unternehmen funktioniert wahrscheinlich eher europäisch als deutsch, das muss man klipp und klar so sagen. Ich würde mich auch in erster Linie eher als Europäer bezeichnen, als zu sagen, ich komme aus Deutschland.”

Lukas: “Europa ist wichtig für Sie. Welche Rolle spielt Europa denn bei Ihrer Wahlentscheidung?”

Menz: “Eine entscheidende. Erst mal bin ich persönlich pro-europäisch eingestellt. Mein Unternehmen hat ja gar keine andere Wahl. Wir fokussieren uns ja komplett auf den europäischen Handel, den europäischen digitalen Handel. Die ganzen Barrieren zwischen den Ländern abzubauen, dass wir ordentlich miteinander Handel betreiben können, einfach ordentlich miteinander leben und voneinander lernen können, das ist für das Unternehmen super wichtig.”

"Politik muss nicht immer brutale Innovation sein"

Lukas: “Was erhoffen Sie sich von der Bundestagswahl?”

Menz: “Ich erhoffe mir eine schwache AfD oder dass ich sie vielleicht gar nicht sehe, weil das für mich Idioten sind. Ansonsten glaube ich, wäre es schön, wenn wir eine hohe Wahlbeteiligung hätten, damit einfach jeder etwas dazu sagt.”

Lukas: “Zwölf Jahre Merkel. Das wird mitunter auch als Zeit eines gewissen Stillstands bezeichnet. Ist das für Sie so?”

Menz: “Vielleicht muss Politik auch nicht immer die brutale Innovation sein. Vielleicht soll sie einfach nur den Rahmen geben. Dieses Framework einfach. Vielleicht ist das auch genug. Vielleicht kann man darüber mal nachdenken.”

Artikel zum Thema Wirtschaft in Sachsen-Anhalt: Es gibt Hoffnung

Produziert von: Carolin Küter
in Zusammenarbeit mit Julius Lukas, Mitteldeutsche Zeitung
Schnitt: Julien Bonetti
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Hier finden Sie alle bisher produzierten Folgen unserer 360°-Serie zur Bundestagwahl.