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Abstiegsangst: Was deutsche Wähler zur AfD treibt

Laut Umfragen liefern sich AfD, die Linke und FDP am Sonntag ein knappes Rennen um Platz 3.

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Abstiegsangst: Was deutsche Wähler zur AfD treibt

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Schafft die “Alternative für Deutschland” es auf Platz drei bei der Bundestagswahl – wie manche Umfragen besagen? 2013 als euro- und EU-kritische Partei rechts der CDU gestartet, ist sie seit 2014 in mehreren Landesparlamenten und im Europaparlament vertreten. Ihr Rechtsruck hat bei einem Teil der Wählerschaft großen Erfolg. Wer stimmt für sie?

“Nur wenn wir Europa gemeinsam gegen eine neue islamische Invasion verteidigen, haben wir eine Chance, dass wir in diesem Land die Mehrheit sind und überleben” – ob Spitzenkandidat Alexander Gauland mit solchen Äußerungen oder seinem Appell, man solle stolz auf die Leistung deutscher Soldaten im 2. Weltkrieg sein, oder Thüringens AfD-Chef Björn Höcke mit seiner zweideutigen Bemerkung über das Holocaust-Mahnmal in Berlin als Denkmal der Schande: Provokation ist bei der AfD Strategie. Damit sorgt sie für Empörung – aber eben auch für Aufmerksamkeit.



Ausstieg aus dem Euroraum, Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild, Stärkung des traditionellen Familienbildes – solche Lösungen bietet die Partei an. In ihrem Wahlprogramm fordert sie unter anderem eine sofortige Grenzschließung, um die, wie es heißt, unkontrollierte Massenmigration zu stoppen. Insbesondere seit der Flüchtlingskrise 2015 vertritt sie eine zunehmend islam- und zuwanderungskritische Haltung – und zieht damit Wähler an. Denn, so Timo Lochocki vom German Marshall Fund: “Das Thema Flüchtlinge ist weggebrochen in den Augen der deutschen Parteien, aber nicht in den Augen der deutschen Wähler. Das heißt, die deutschen Wähler suchen eine Partei, die die Flüchtlingsproblematik in einer Weise behandelt, die ihren sehr konservativen Sorgen entgegenkommt. Und da gibt es nur zwei Parteien: die CSU, die gibt es aber nur in Bayern, und die AfD in ganz Deutschland.”

Laut Hanns-Böckler-Stiftung spielt bei den AfD-Wählern die Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenslage eine Rolle – egal, ob diese objektiv gut oder schlecht ist – das Gefühl, ausgeliefert und sozial abgestiegen zu sein. Die Sozialforscher haben zwei Afd-Wählergruppen ausgemacht: Zum einen vor allem Männer der unteren Mittelschicht mit unterdurchschnittlichem Einkommen, zum anderen gut gebildete Besserverdiener. Ihnen gemein ist offenbar die Angst vor dem Abstieg.



Dass sich die Partei seit ihrem Bestehen mit andauernden internen Querelen, Richtungsstreits und häufigen Ausschlussverfahren selbst zerfleischt, treibt bürgerliche Anhänger jedoch wieder von ihr weg.

Laut Umfragen werden Alternative für Deutschland, Linke und Liberale sich am Sonntag ein knappes Rennen um Platz Drei liefern. Dass die AfD in den Bundestag einzieht, daran bestehen kaum Zweifel – wie sie die Zeit dort aber übersteht, darauf kann man gespannt sein.