Eilmeldung

Ein bitterer Sieg für die Union

Der hohe Stimmenverlust tut weh, doch die Unionsparteien bleiben stärkste Kraft. Angela Merkel muss jetzt eine stabile Regierung bilden – nur wie?

Sie lesen gerade:

Ein bitterer Sieg für die Union

Schriftgrösse Aa Aa

Es ist das schlechteste Wahlergebnis der Union seit 1949. Gefeiert wurde der 33-Prozent-Sieg in Berlin trotzdem. Merkel gab sich getreu dem Slogan von CDU/CSU „voll muttiviert“. Motivation braucht sie auch. Die Regierungsbildung wird schwierig.

Und nicht nur die Kanzlerin muss sich die Frage stellen, wie künftig mit den Provokationen der AfD im Bundestag umgegangen wird. Sie konnte 12,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Spitzenkandidat Alexander Gauland hat bereits angekündigt, die AfD werde „Merkel jagen“.

Bei einer jungen CDU-Wählerin überwog am Wahlabend aber die Erleichterung darüber, dass die Rechtspopulisten im europäischen Vergleich in Deutschland eher schwach abschneiden: „Verglichen mit anderen Ländern, mit unseren Nachbarn – sagen wir mal in Frankreich, in Polen, in den Niederlanden – hält es sich prozentual noch relativ in Maßen bei uns glücklicherweise.“

Trotzdem sei das gute Ergebnis für die AfD „ein Schock, auch innerhalb der Union, weil man gesehen hat, dass sie hauptsächlich Nichtwähler mobilisieren konnte, aber auch Unionswähler.“ Jetzt müsse man nachdenken und sich fragen: Wie kann man diese eine Millionen Wähler wieder in das Unionslager zurückholen?

Laut Merkel durch „gute Politik“. Doch dafür muss sie erst ein stabiles Bündnis schmieden – nach jetzigem Stand wahrscheinlich ein schwarz-gelb-grünes.

Ein CDU-Mitglied erklärte am Sonntagabend in Berlin, es brauche jetzt „eine Regierung, die letztlich in die Zukunft denkt, die Herausforderungen ökologischer Natur aber auch wirtschaftlicher Natur anpackt. Und da sind die beiden kleinen Koalitionspartner die richtigen.”

Euronews-Korrespondentin Anja Bencze war live beim Wahlsonntag in der Hauptstadt dabei: „Deutschland hat gewählt und die Union erneut zu einer Regierungsmehrheit befähigt – allerdings unter schweren Verlusten. Auf Angela Merkel kommen lange und schwierige Sondierungsgespräche zu, um eine handlungsfähige Regierung zu bilden. Eine der größten Herausforderungen der nächsten Legislaturperiode ist der Aufstieg der AfD in den Bundestag.“


Vor allem ostdeutsche Wähler straften die Union ab. Außerdem verlor die CSU in Bayern viele Stimmen.