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IS-Sexsklavinnen auf dem schweren Weg zurück in ein normales Leben

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IS-Sexsklavinnen auf dem schweren Weg zurück in ein normales Leben

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Die elfjährige Farah wurde gerade aus den Fängen der IS-Terrormiliz befreit. Sie ist so traumatisiert, dass sie weder spricht noch isst.
Farah ist Jesidin, eine religiöse Minderheit aus dem Nordirak. Vor drei Jahren wurde diese zur Zielscheibe von IS-Kämpfern, die viele männliche Jesiden tötete. Die Frauen und Mädchen nahmen sie als Sex-Sklavinnen.

Der deutsche Trauma-Spezialist Jan Kizilhan hat mehr als 1.400 Überlebende untersucht. “Sie haben Albträume, Ängste, können nicht schlafen, sich nicht konzentrieren. Sie bleiben wach und warten auf die nächste Katastrophe,” meint der Psychologe.

Als wir Aveen erstmals 2015 trafen, lebte sie noch in einem Flüchtlingscamp in Nordirak. Ein gebrochenes Mädchen, voller Scham.
Aveen, die in Wirklichkeit anders heißt, wurde mehrfach vergewaltigt, geschlagen und unter Drogen gesetzt. Ein Jahr lang vergingen sich die IS-Dschihadisten an ihr.

Im August trafen wir Aveen wieder, diesmal in einer Unterkunft für jesidische Überlebende in Deutschland. Dr. Kizilhan setzte alle Hebel in Bewegung, um Aveen und andere Terroropfer nach Stuttgart zu holen. Dort sind sie in Sicherheit. Und werden körperlich und geistig behandelt.

“Sie sind stark. Sie kämpfen um ihr Überleben und werden es hoffentlich mit unserer Unterstützung schaffen,” hofft Kizilhan.

Der Heilungsprozess ist lang und schwierig.

Eine Sozialarbeiterin sagt, “ich weiß von Filmen und Bildern, wie Holocaust-Opfer aussahen. An sie erinnerten mich die Jesidinnen. Wenn man in ihre Augen sah, sah man große Traurigkeit. Jetzt kann ich einen Unterschied erkennen.”

Einige Opfer wollen Gerechtigkeit. Ivana Waleed sagt, sie habe einen ihrer Entführer im Internet erkannt. Vor drei Wochen versuchte dieser offenbar, sich als unschuldiger Zivilist in Mossul auszugeben und unterzutauchen.
Sie sei bereit, gegen ihn auszusagen. Er habe sie und andere jesidische Frauen und Kinder verkauft. Bisher ist der Verdächtige noch nicht gefasst worden. In den Händen der Terrormiliz sollen sich noch immer 2.400 Frauen und Kinder befinden – Aveens Schwestern werden immer noch vermisst. Ihr Traum? Sie eines Tages wiederzusehen. Hier, in Deutschland, damit es ihnen allen bald besser geht.