Eilmeldung

Noch mehr Ryanair-Passagiere bleiben am Boden

Planungschaos oder doch ein Aufstand gegen Arbeitsbedingungen?

Sie lesen gerade:

Noch mehr Ryanair-Passagiere bleiben am Boden

Schriftgrösse Aa Aa

Die irische Billig-Airline Ryanair will
bis in das nächste Frühjahr hinein noch mehr Flüge streichen. Von November an würden 25 der insgesamt 400 Maschinen der Flotte weniger eingesetzt, so das Unternehmen. Das werde zu einer Reihe von Änderungen im Flugplan führen, davon seien rund 400.000 Passagiere betroffen.


Ryanair kämpft aktuell mit erheblichen Planungsschwierigkeiten und einem Mangel an Reservepiloten.

Vor wenigen Tagen hatte die Airline ihren Pilotern bis zu 10.000 Euro mehr an bestimmten Standorten angeboten, unter anderem in Berlin, und für verschobenen Urlaub. Damit will die Airline verhindern, dass es zu weiteren Flugstreichungen aus Mangel an Piloten kommt. Medienberichten zufolge lehnt das aber eine große Zahl von Ryanair-Piloten ab. Ein entsprechender Brief
kursierte in sozialen Medien. Demnach fordern die Piloten, dass Ryanair grundsätzliche Änderungen an ihren Arbeitsbedingungen
vornimmt.



Die Piloten sollten ihren Urlaub so weit wie möglich ins kommende Jahr verschieben, so ein anderer Vorschlag von Ryanair-Chef Michael O’Leary. In den kommenden Wochen wolle man 125 zusätzliche Piloten einstellen, in den nächsten Monaten 650.

Ryanair hatte Anfang des Monats angekündigt, täglich bis zu 50 ihrer mehr als 2.500 Flüge zu streichen. Bis Ende Oktober wären das insgesamt rund 2.000 Verbindungen. Offizielle Begründung: Man wolle die eigene Pünktlichkeit verbessern und müsse Urlaubsansprüche der Crews berücksichtigen. Ryanair geriet damit heftig in die Kritik

O’Leary entschuldigte sich für das «Chaos», das die Airline nach
eigenen Angaben etwa 25 Millionen Euro kostet. Schuld seien «schwere
Managementfehler» bei der Urlaubsplanung für die Besatzungen. Zudem
verfüge Ryanair über zu wenige Reservepiloten.

KRITIK AN DEN ARBEITSBEDINGUNGEN

Die Billig-Airline Ryanair steht schon seit langem wegen ihrer Arbeitsbedingungen in der Kritik. Jetzt haben sich an 17 europäischen Standorten – darunter besonders viele in Deutschland – offenbar Piloten zusammengeschlossen, um so dem Unternehmen von Ryanair-Chef Michael O’Leary bessere Arbeitsbedingungen abzutrotzen, so Medienberichte (“Süddeutsche Zeitung”, “WDR”, “NDR”).

Bei Ryanair herrscht seit jeher eine hohe Fluktuation im Cockpit. Die Bezahlung der Piloten gilt als unterdurchschnittlich (was Ryanair jedoch bestreitet). Viele Piloten sind nicht fest angestellt. Sie fliegen als Selbständige durch die Luft. Wie aus dem jüngsten Geschäftsbericht der Airline hervorgeht, bleiben Piloten im Schnitt nur vier Jahre bei Ryanair. Das Durchschnittsalter des Cockpit-Personals beträgt gerade einmal 34 Jahre.

Laut Jim Phillips von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die hohe Fluktuation System. “Ryanair hat immer damit geplant, dass sie jedes Jahr 20 Prozent ihrer Piloten verliert”, sagt er. Jahrelang sei das kein Problem gewesen. Die Airline habe stets genug neue Anwärter fürs Cockpit gefunden, die bereit waren, die teure Ausbildung selber zu bezahlen. “Für Ryanair war es oft günstiger, neue Leute zu holen, als die alten zu behalten”, sagt Phillips. Nun gehe diese Strategie allerdings nicht mehr auf.


Für die betroffenen Kunden sollen Umbuchungen gefunden werden, oder sie könnten sich ihre Kosten rückerstatten lassen. Die gesetzlich vorgesehenen Entschädigungen für die Betroffenen will Ryanair gewähren, ohne mit den Kunden herumzustreiten.

Twitter-Spott:




su mit dpa, Reuters, AFP