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Siemens-Alstom-Deal: Mit Argumenten gegen die Skepsis in Frankreich

«Fusion unter Gleichen» - allerdings hat Siemens gut 50 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen

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Siemens-Alstom-Deal: Mit Argumenten gegen die Skepsis in Frankreich

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“Es ist Deutschland, das Frankreich kauft und Herr Macron verschleudert uns” – in Frankreich stößt der fusionierte Bahntechnik-Konzern Siemens/Alstom nicht nur auf Zustimmung, etwa bei dem Republikaner Laurent Wauquiez



(“Ein industrielles Prunkstück wurde verkauft, ohne Not. Es ist ein großer Fehler.”)

Der neue Konzern will nach eigenem Bekunden dem neuen chinesischen Branchenriesen CRRC mit einem Wachstumskurs schnell Paroli bieten. 2016 kam Siemens in der Zug-Sparte auf 8,0 Milliarden, Alstom auf 7,3 Milliarden Euro. Die aus zwei Staatskonzernen formierte CRRC erreichte gleichzeitig 30,5 Milliarden Euro.


Mit Wachstumsraten von mehr als vier Prozent im Jahr soll der europäische Hersteller von TGV und ICE bis 2023 auf mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz kommen.

Gute Sache, findet der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire:

“Es ist eine gute Nachricht für Alstom, es ist eine gute Nachricht für die Mitarbeiter von Alstom und seine Standorte, es ist eine gute Nachricht für die europäische Industrie. Mit dieser Alstom-Siemens-Allianz werden wir den weltweit zweitgrößten Schienenverkehrs- und Signaltechnik-Hersteller schaffen.”


POLITISCHE BOTSCHAFT

Die Zug-Allianz mit Alstom enthält nach Ansicht von Siemens-Chef Joe Kaeser auch eine politische Botschaft. «Wir setzen die europäische Idee in die Tat um», so Kaeser bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge in Paris.

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender Siemens AG:
“….so wird die neue Firma Siemens-Alstom ihre französischen und ihre deutschen Wurzeln beibehalten. Was den zeitlichen Ablauf angeht, ist unser Ziel, die Transaktion bis zum Ende des Kalenderjahres 2018 zu schließen.”

Die Fusion werde die europäische Technologie-Führerschaft stärken.

FUSION UNTER GLEICHEN

Siemens verschmelzt seine Bahn-Sparte mit dem französischen Konkurrenten und wird künftig die Mehrheit an dem neuen europäischen Zug-Schwergewicht halten. Eine «Fusion unter Gleichen», wie Kaeser betonte.

Siemens soll gut 50 Prozent an der künftigen Siemens Alstom halten. Gemessen an den Renditen und am Auftragsbestand hätten es gut 60 Prozent sein müssen, räumte Kaeser ein. Siemens bringe aber einige Schulden mit und zahle eine “Kontrollprämie” dafür, dass man das Gemeinschaftsunternehmen voll in der eigenen Bilanz führen könne. Eine Sonderdividende von bis zu 1,8 Milliarden Euro, die Alstom unmittelbar vor der Fusion ausschüttet, wird de facto ebenfalls zum Teil von Siemens finanziert.

“Auf diesen Tag haben wir lange gewartet”, sagte Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge, der auch den fusionierten Konzern leiten soll. “Das war das Beste, was wir tun konnten.” Warum Siemens sich für Alstom als Fusionspartner und gegen den Branchenvierten Bombardier entschieden habe, wollte Kaeser nicht sagen. Er betonte aber, die künftige Siemens Alstom stehe finanziell auf einem starken Fundament. Die Gespräche von Siemens mit den Kanadiern waren weit gediehen, doch dann kamen dem bayerischen Konzern laut Insidern Zweifel an der Stabilität von Bombardier, deren Flugzeug-Sparte in der Krise steckt.

Bombardier erklärte nach Bekanntwerden des Deals, man brauche keine Fusion, um im Zuggeschäft führend zu bleiben. “Wir haben die Größe, die Technologie und die Menschen, um in jeder Lage wettbewerbsfähig zu bleiben und uns durchzusetzen.” Bombardier setzte mit Zügen und Bahntechnik zuletzt umgerechnet 6,8 Milliarden Euro um.

Der Fusion müssen noch die EU-Kartellbehörden grünes Licht geben.

Alstom-Aktien schossen am Mittwoch in Paris um mehr als sechs Prozent auf 35,70 Euro nach oben. Den Aktionären, allen voran dem Bau- und Medienkonzern Bouygues, winkt eine Sonderdividende von bis zu acht Euro. Die Siemens-Aktie war mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 118,80 Euro größter Kursgewinner im Leitindex Dax.

Twitter-Kommentar:



(“Toll, wie Alstom/Siemens Deutschenängste und Nationalismus hervorkehrt, rechts wie links”)

su mit Reuters