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Subventions-Vorwurf: USA drohen Bombardier mit Strafzöllen

US-Fugzeugbauer Boeing strengte das Verfahren gegen den kanadischen Konkurrenten an

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Subventions-Vorwurf: USA drohen Bombardier mit Strafzöllen

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Die US-Regierung will den Import bestimmter Flugzeuge des kanadischen Unternehmens Bombardier mit Strafzöllen von bis zu 220 Prozent belegen. Das kündigte Handelsminister Wilbur Ross an.

Die US-Regierung wirft Kanada vor, den Konzern beim Verkauf der Flugzeuge der sogenannten C-Serie unfair subventioniert zu haben. Die Entscheidung könnte auch Großbritannien treffen, wo die Flügel der Mittelstreckenjets gefertigt werden.


Die US-Handelsbehörde USITC müsste die Strafen noch genehmigen.

Analyst Craig Erlam, Oanda, London:

“Es ist ein harter Schlag für Bombardier, es ist ein harter Schlag für Kanada, es ist ein harter Schlag für Nordirland und also auch für Theresa May. Ob das so durchgeht, das ist noch die Frage, da fehlt noch eine Instanz. Es ist ein Riesen-Zoll, also brauchen sie Beweise mit Substanz, dass diese Flieger zu subventionierten Preisen verkauft wurden.”


Bombardier ist der drittgrößte Flugzeughersteller der Welt mit mehr als 30.000 Mitarbeitern und Werken in Kanada, den USA, Großbritannien und Mexiko. Bombardiers Flugzeuge sind ein verhältnismäßig neues Konkurrenzprodukt zu den kleineren Versionen des Boeing-Erfolgsmodells 737. Mit der Entscheidung springt die US-Regierung vor allem ihrem heimischen Hersteller Boeing bei, der die Untersuchung der US-Behörden angestrengt hat. Boeing behauptet, Bombardier biete seine Flugzeuge in den USA unterhalb des Selbstkostenpreises an und unterwandere damit den fairen Wettbewerb.


POLITISCHE TURBULENZEN

Der Hintergrund: Im April 2016 hatte die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines 75 Maschinen der C-Serie gekauft. Der Airbus-Rivale Boeing beschwerte sich, dass die Maschinen wegen ungerechter Subventionen deutlich unter dem üblichen Preis abgegeben worden seien. Bombardier nannte den Strafzoll “absurd”. Die kanadische Handelsministerin Chrystia Freeland sagte: “Dies zielt eindeutig darauf ab, Bombardier-Flugzeuge der C-Serie aus dem US-Markt zu drängen.” Ihren Worten zufolge hängen fast 23.000 Jobs bei US-Zulieferern mit der Komponentenfertigung für die C-Serie zusammen. Ministerpräsident Justin Trudeau hat wegen des Streits bereits den Kauf von Boeing-Kampfjets auf Eis gelegt. Er könne keine Geschäfte mit einem Unternehmen machen, dass Kanada verklage und kanadische Arbeiter aus dem Geschäft drängen wolle.

Auch die Pläne der britischen Premierministerin Theresa May, im Zuge des EU-Austritts eine engere Handelspartnerschaft mit den USA einzugehen, könnten durch den Fall Boeing/Bombardier einen Dämpfer erhalten. Sie hat US-Präsident Donald Trump gebeten, sich für eine Beilegung des Streits einzusetzen. May hat versprochen, die 4.200 Arbeitsplätze in dem nordirischen Bombardier-Werk zu schützen.

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su mit dpa