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AfD-Erfolg im Osten: "Wir wollen keine multikulturelle Gesellschaft"

Die AfD ist bei der Wahl im Osten zweitstärkste Kraft geworden, in Sachsen landete sie sogar auf Platz eins. Spurensuche nach den Gründen des Erfolgs.

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AfD-Erfolg im Osten: "Wir wollen keine multikulturelle Gesellschaft"

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Dippoldswalde in Sachsen, südlich von Dresden. Rund ein Drittel der Einwohner haben bei der Bundestagswahl hier die AfD gewählt. Für viele war ein Thema entscheidend: Die Zuwanderung von Flüchtlingen und Migranten. Einer der AfD-Wähler ist René Rothe. Er macht sich Sorgen um seine Rente und fragt: “Was kriege ich als Rente raus? Ich muss ja nur zahlen für die Flüchtlinge. Und wenn die Familien nachgezogen kommen, muss ich ja wieder zahlen.”

In keinem Bundesland hat die AfD bei der Wahl so viele Stimmen erhalten wie in Sachsen. Mit 27 Prozent der Stimmen landete die Partei hier auf dem ersten Platz, knapp vor der CDU. Zum Erfolg der AfD sagt der Politikwissenschaftler Werner Patzelt: “Im Osten fingen die Proteste gegen die Einwanderungspolitik sehr früh an. Die westlichen Eliten haben darauf reagiert mit der Aussage, ‘ihr beklagt euch über Dinge, die gar keine echten Probleme, wenn ihr das macht, seid ihr entweder dumm oder Rassisten oder beides, wir hören euch nicht länger zu. Folglich war man im Osten empört, und als die AfD sich anbot, all diesen Empörungsempfindungen Ausdruck zu verleihen, war man glücklich, sie zu wählen.”

Nach der Wiedervereinigung erlebten viele Teile Ostdeutschlands eine starke Abwanderung qualifizierter Kräfte. Die Arbeitslosigkeit schnellte nach oben. Viele fühlen sich als Verlierer der Wende – auch das ein Grund des AfD-Erfolgs, sagen Experten.

Dippoldswalde liegt im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Spitzenkandidatin hier war Ex-Parteichefin Frauke Petry. Obwohl die Arbeitslosigkeit im Ort niedrig ist, bei rund vier Prozent liegt, seien die Menschen verärgert über die Euro- und Flüchtlingspolitik der Regierung und hätten daher AfD gewählt, so der AfD-Lokalpolitiker Rolf Süßmann.

“Gerade hier ist man zu großen Teilen mit einer multikulturellen Gesellschaft überhaupt nicht einverstanden. Man will diese multikulturelle Gesellschaft nicht haben, und an dem hat sich die Politik zu orientieren.”

Zuwanderer seien allerdings nur die Sündenböcke für tieferliegende Probleme, halten andere dagegen. Dennoch: das Thema zieht: Insgesamt wurde in AfD im Osten Deutschlands zweitstärkste Partei, auch in Thüringen und Brandenburg erreichte sie mehr als 20 Prozent der Stimmen.