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Ist Leiharbeit moderner Sklavenhandel?

Bei Entsendungen in der EU sind Sozialdumping, Betrug und Missbrauch an der Tagesordnung.

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Ist Leiharbeit moderner Sklavenhandel?

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Arbeitnehmerfreizügigkeit ist eine der besten Eigenschaften Europas – aber wenn es um entsandte Arbeiter geht, die für eine begrenzte Zeit über EU-Grenzen hinweg arbeiten, sind oft Sozialdumping, Betrug und Missbrauch die Regel. Die Regeln für die aktuelle Entsenderichtlinie wurden 1996 erstellt, als zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten noch ein mehr oder weniger soziales und wirtschaftliches Gleichgewicht herrschte. 21 Jahre später mit der EU-Erweiterung nach Osten und zwei Millionen Beschäftigten in der EU funktioniert dieser Rechtsrahmen laut Kritikern nicht mehr.

Beispiel Rumänien: Unser Insiders-Team hat herausgefunden, dass Leiharbeiter, die oft von Subunternehmen angestellt werden, sich in gut organisierten Betrugsnetzen verfangen können. Die häufigste Praxis ist, dass den Personen keine Mindest- oder Tariflöhne gezahlt werden, dass ihnen willkürlich Teile vom Lohn abgezogen werden. Unser Reporter sprach mit Leiharbeitern, die nach Westeuropa gingen. Ihre Geschichten erzählen von Betrug und Missbrauch.

Beispiel Frankreich: Das Weinland Frankreich ist unter anderem während der Weinlese auf Leiharbeiter angewiesen. Einheimische Arbeiter wollen diese körperlich harte Arbeit oft nicht mehr machen. Aber auch hier gibt es Probleme bei der Beschäftigung von entsendeten Arbeitern. Winzer sind schockiert von der “Form der modernen Sklaverei” und ziehen es vor, Leiharbeiter direkt ohne die Hilfe von Vermittlungsagenturen unter französischer Rechtssprechung anzustellen.

Außerdem reden wir mit einem italienischen Gewerkschafter, der die Revision der Entsenderichtlinie voranzutreiben sucht.