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Warum sind so viele Katalanen für die Unabhängigkeit?

Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen.

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Warum sind so viele Katalanen für die Unabhängigkeit?

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In den vergangenen Jahren ist die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien enorm angewachsen. Vor 30 Jahren wollten nur etwa 20% ein eigenständiges Katalonien. Heute sind fast die Hälfte aller Katalanen für die Unabhängigkeit. Was ist passiert?

Der frühere Präsident des katalanischen Parlaments, Joan Rigol, war früher der Vize-Präsident des spanischen Senats. Heute ist er für die Unabhängigkeit. Er erklärt: “Seit 2010 hat das Verfassungsgericht die Rechte der Katalanen immer mehr beschnitten. Ich musste zusehen, wie dem katalanischen Volk der Traum genommen wurde, über seine eigene Zukunft zu entscheiden.”

2010 war ein Wendepunkt. Die Beziehungen zwischen Madrid und Barcelona verschlechterten sich. Das Verfassungsgericht hatte nämlich entschieden, dass 14 Artikel des Autonomiestatuts der Katalanen nicht verfassungsgemäß seien und daher nicht gelten dürften. Das gab der Unabhängigkeitsbewegung Aufschwung.

Maria Àngels Bailo aus Barcelona meint: “Früher war ich nicht für die Unabhängigkeit. aber als sie uns das Autonomiestatut beschnitten, da habe ich reagiert. Zapatero hatte gesagt, dieses Autonomiestatut gelte. Er respektiere dieses Statut. Von wegen. Vom Tisch gewischt haben sie es. Das war der Moment, in dem ich sagte, das lassen wir uns nicht bieten, wollen die uns zum Narren halten?”

Im Jahr 2012 wies die Regierung von Mariano Rajoy den Fiskalpakt zurück, den der frühere katalanische Präsident Artur Mas vorgeschlagen hatte. Eine Demütigung in den Augen der Katalanen.

Das sagt auch Tesa Tejada aus Barcelona: “Wir fühlten uns immer mehr gedemütigt von Madrid. Aber wir haben auch unseren Stolz. Deshalb wuchs die Unabhängigkeitsbewegung. Ich habe nichts gegen den Rest Spaniens, aber ich will nichts mit der spanischen Regierung zu tun haben.”

Politikwissenschaftler Pere Vilanova meint, Probleme zwischen Katalonien und der Zentralregierung gab es immer, aber die politische Elite in Madrid habe die Probleme der Katalanen zu lange ignoriert. “Es gibt Wirtschaftswissenschaflter, die sagen, es gehe bei der Unabhängigkeit um wirtschaftliche Probleme, aber das ist nicht der entscheidende Faktor. Auf der emotionalen Ebene läuft das ab, mit Wirtschaft hat das kaum etwas zu tun.”

Und diese Emotionen sind ansteckend. Fernando Maté Gonzalez aus Barcelona sagt: “Das liegt in der Luft. Man will auch dabei sein bei den Demonstrationen. Dieses Gefühl, dazu zu gehören, zu einer Gruppe, die so denkt wie du, die bereit ist, für dieses Zusammengehörigkeitsgefühl auf die Straße zu gehen und dafür friedlich zu demonstrieren.”

Cristina Giner. Euronews: “Letzten Umfragen zufolge stagnierte die Unabhängigkeitsbewegung, aber jetzt, so kurz vor der Wahl, könnte sich dies noch ändern.”