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Mays Rede - Der Tag danach

Die Parteitagsrede der britischen Premierministerin ist auf vielen britischen Titelseiten. Diese beschreiben einen "Albtraum".

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Mays Rede - Der Tag danach

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Sie wollte den Zuhörern den “Britischen Traum” versprechen, es wurde aber zum “Albtraum”: Bei ihrer Parteitagsrede wünschte sich die britische Premierministerin Theresa May bestimmt, an einem anderen Ort zu sein. Vor allem als Komiker Lee Nelson, alias Simon Brodkin, ihr ein gefälschtes Entlassungsschreiben überreichte.

“Boris hat mich gebeten, das zu tun. Bitte Boris sag es ihnen doch. Du hast mich gefragt und jetzt bestreitest Du es”, schreite der Komiker in Bezug auf den britischen Außenminister Boris Johnson, als er von Sicherheitskräften aus dem Saal hinausbegleitet wurde.

Danach ging es immer weiter bergab – Mays Stimme fiel weg, sie hustete, verschluckte sich an einem Bonbon. Die Krönung bemerkte May nicht sofort: Hinter ihr verlor ihr Parteitagsspruch “Building a country that works for everyone” (“Ein Land für alle erbauen”) das F… und den Sinn.

Am Tag danach ist die chaotische Rede auf jeder britischen Titelseite. Und auch in ganz Europa sorgt sie für Aufsehen.

Was fast allen Zeitungen aufgefallen ist: die politische Symbolkraft der zahlreichen Hänger. Seit der verlorenen Mehrheit im Parlament und dem Brexit gilt die “eiserne May” als angezählt. Ihr Kämpfergeist sei angeschlagen und ihr fehle die Kraft, um ihre Partei hinter sich zu vereinen, so heißt es in mehreren Medien. Da helfen wohl auch keine Hustenbonbons mehr.

Manche Medien spekulieren bereits über einen möglichen Rücktritt der Premierministerin. So berichtet der “Daily Telegraph” von Donnerstag, dass 30 konservative Abgeordnete sich bereit erklärt hätten, die Regierungschefin zu einem Amtsverzicht aufzufordern. Zu einer solchen Erzwingung müssen es aber mindestens 48 Abgeordnete sein.



Und auch europäische Medien schreiben über den immer stärker werdenden Druck auf May und sind laut der Zeitung The Guardian auch “brutal” mit ihrem Auftritt. Dieser könne von ihren Feinden als ein „Zeichen weiblicher Schwäche“ gedeutet werden, schreibt das britische Blatt.

Eigentlich wollte die Premierministerin auf dem Parteitag am Mittwoch in Manchester ihre Autorität wieder herstellen. Auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook verlinkte sie ihre Rede.