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Unternehmen fliehen aus Katalonien

Regierung in Madrid erleichtert per Dekret Abwanderung in andere Landesteile

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Unternehmen fliehen aus Katalonien

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Der Textilhersteller Dogi, das Biotech-Unternehmen Oryzon, die Telekommunikationsfirma Eurona und der Lebensmittelhersteller Naturhouse haben den Anfang gemacht. Nun kehrt nach massiven Kursverlusten nach dem Geldhaus Sabadell auch die Großbank Caixabank Katalonien nach dem Unabhängigkeitsreferendum den Rücken. Das Kabinett in Madrid erleichterte per Dekret die Verlagerung von Firmensitzen in andere Landesteile.


Luis de Guindos, spanischer Wirtschafsminister:

“Diese Regierung wird immer ihr Bestes tun, um alles zu fördern, was dem wirtschaftlichen Wohlstand in Katalonien nutzt, was es Unternehmen ermöglicht, zu wachsen und Arbeitsplätze zu schaffen … was wir sehen ist sehr traurig, was wir sehen, ist der Wegzug von sehr wichtigen Unternehmen aus Katalonien an einen neuen Firmensitz. Daran sind nicht die Firmen schuld, sondern eine unverantwortliche Politik.”

Die Nerven in Madrid und Barcelona liegen blank.

Neben anderen war der Chef der separatistischen Organisation Asamblea Nacional Catalana (ANC), Jordi Sànchez, von Richterin Carmen Lamela am Staatsgerichtshof in Madrid vorgeladen, wegen des Verdachts der Auflehnung gegen die
Staatsgewalt – darauf stehen nach Medienberichten bis zu 15 Jahre Haft.

Hunderte Demonstranten hatten am 20. und 21. September in Barcelona Beamte der staatlichen Polizeieinheit Guardia Civil stundenlang am Verlassen eines durchsuchten Gebäudes gehindert, indem sie die Eingänge blockierten.


Jordi Sànchez, Asamblea Nacional Catalana (ANC):

“Das ist ganz sicher eine Strategie der Angstmache, eine Haltung, die die spanische Regierung zugelassen hat, um Entscheidungen in vielen Unternehmen zu erzwingen. Aber ich glaube, das Wichtigste ist, dass diese Unternehmen, wenn Katalonien unabhängig wird, Katalonien als einen ihrer wichtigsten Märkte behalten und dann müssen sie nach Katalonien zurückkommen.”


Manche hoffen trotzdem noch auf eine Verhandlungslösung: Die Regierung in Madrid entschuldigte sich für das Vorgehen der Polizei gegen abstimmungswillige Bürger. Der separatistische Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, ließ offen, ob am Dienstag die Loslösung von Spanien proklamiert werden soll. Und die Schweiz will vermitteln.

su mit dpa, Reuters